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Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2 bei Kindern und Jugendlichen

Wir erleben in unserer Klinik jeden Tag, wie Kinder mit Diabetes einen ganz normalen Alltag mit Sport, Schule, Freundschaften und allem, was dazugehört leben. Dieser Text soll Ihnen helfen, die Erkrankung Ihres Kindes zu verstehen und das Wissen aufzubauen, das Sie und Ihr Kind für ein Leben mit Diabetes wappnet.

Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2 bei Kindern und Jugendlichen

Wir erleben in unserer Klinik jeden Tag, wie Kinder mit Diabetes einen ganz normalen Alltag mit Sport, Schule, Freundschaften und allem, was dazugehört leben. Dieser Text soll Ihnen helfen, die Erkrankung Ihres Kindes zu verstehen und das Wissen aufzubauen, das Sie und Ihr Kind für ein Leben mit Diabetes wappnet.

Was unterscheidet Diabetes mellitus Typ 1 von Typ 2 bei Kindern?

Jede Zelle im Körper Ihres Kindes braucht Energie, und den größten Teil dieser Energie liefert Zucker (Glukose), der aus der Nahrung ins Blut gelangt. Damit die Glukose aus dem Blut in die Zellen aufgenommen werden kann, braucht der Körper Insulin: ein Hormon aus der Bauchspeicheldrüse. Fehlt Insulin, kann Glukose nicht ausreichend in die Zellen gelangen und staut sich im Blut, sodass der Blutzuckerspiegel steigt. Wenn dieser Insulinmangel dauerhaft ist, spricht man von Diabetes mellitus.

Diabetes mellitus Typ 1 bei Kindern

Beim Typ-1-Diabetes richtet sich das Immunsystem gegen die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse. Es erkennt sie fälschlicherweise als fremd und greift sie an, bis die Bauchspeicheldrüse kaum noch oder gar kein Insulin mehr herstellt.

Dieser Prozess hat nichts mit der Ernährung oder dem Lebensstil Ihres Kindes zu tun. Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung, deren genaue Auslöser bis heute nicht vollständig geklärt sind. Es gibt eine erbliche Komponente, aber auch viele Kinder ohne familiäre Vorbelastung erkranken. 

Das fehlende Insulin wird bei Diabetikern lebenslang von außen zugeführt. Die Therapie ist seit Jahrzehnten erprobt und hat sich gerade in den letzten Jahren noch einmal deutlich weiterentwickelt. Es gibt z. B. Insulinpens, Insulinpumpen und kontinuierliche Glukosesensoren, die den Gewebezucker rund um die Uhr messen. Manche Systeme passen die Insulinabgabe sogar automatisch an, indem sie die Glukosewerte des Sensors in Echtzeit auswerten und die Pumpe entsprechend automatisch steuern, sodass Ihr Kind sich frei bewegen kann, ohne ständig selbst daran denken zu müssen. 

Diabetes mellitus Typ 2 bei Kindern

Beim Typ-2-Diabetes produziert die Bauchspeicheldrüse zwar Insulin, aber die Körperzellen reagieren zunehmend schlechter darauf; es kommt zu einer sog. Insulinresistenz. Die Bauchspeicheldrüse versucht, diese durch eine höhere Insulinproduktion auszugleichen, doch irgendwann reicht auch die gesteigerte Menge nicht mehr aus.

Übergewicht, Bewegungsmangel und genetische Veranlagung begünstigen diese Entwicklung. Hier wirken immer mehrere Faktoren zusammen, und manche davon lassen sich beeinflussen, andere nicht. An den beeinflussbaren Faktoren setzen wir in der Behandlung an.

Wie häufig ist Diabetes mellitus bei Kindern in Deutschland?

Diabetes mellitus Typ 1 bei Kindern ist mit Abstand die häufigere Form im Kindes- und Jugendalter. Über 35.000 Kinder und Jugendliche leben in Deutschland damit.

Diabetes mellitus Typ 2 bei Kindern galt lange als Ausnahme, und man geht aktuell von rund 1.000 betroffenen Jugendlichen aus. Allerdings nehmen die Zahlen seit einigen Jahren zu. Im Erwachsenenalter kehrt sich das Verhältnis übrigens um: Dort dominiert der Typ 2 bei Weitem.

Welche Symptome deuten auf Diabetes bei Kindern hin?

Typische Anzeichen eines beginnenden Diabetes mellitus bei Kindern sind 

  • auffällig starker Durst
  • häufiges Wasserlassen
  • Gewichtsverlust trotz normalem Appetit
  • anhaltende Müdigkeit
  • und Konzentrationsschwierigkeiten. 

Bei jüngeren Kindern kommen oft Bauchschmerzen oder Erbrechen hinzu, und es kann sein, dass ein Kind, das längst trocken war, nachts wieder einnässt.

Gerade bei kleinen Kindern werden diese Beschwerden leicht mit einem Infekt verwechselt. Wenn Ihnen eines oder mehrere dieser Zeichen auffallen, lassen Sie den Blutzucker zeitnah beim Kinderarzt kontrollieren.

Wie wird Diabetes bei Kindern diagnostiziert?

Die Diagnose stützt sich auf Blutzuckermessungen und den sogenannten HbA1c-Wert, der abbildet, wie hoch der Blutzucker in den vergangenen acht bis zwölf Wochen durchschnittlich lag.

Bei Verdacht auf einen Diabetes mellitus Typ 1 bei Kindern bestimmen wir zusätzlich spezifische Antikörper im Blut. Sie sind der Nachweis dafür, dass das Immunsystem die insulinproduzierenden Zellen angreift, und ermöglichen eine sichere Zuordnung.

Wie wird Diabetes mellitus Typ 1 bei Kindern behandelt?

Kinder mit Typ-1-Diabetes sind lebenslang auf Insulin angewiesen, weil ihre Bauchspeicheldrüse das Hormon nicht mehr selbst herstellen kann. Tabletten, wie sie bei anderen Diabetesformen zum Einsatz kommen, helfen hier nicht.

Viele Kinder nutzen Insulinpens, andere tragen eine Insulinpumpe, die das Insulin über einen kleinen Katheter kontinuierlich unter die Haut abgibt. Ergänzend messen Glukosesensoren den Gewebezucker und übertragen die Werte auf ein Empfangsgerät oder Smartphone. Bei vielen dieser Systeme wird die Insulindosis bereits teilweise automatisch angepasst, was im Alltag eine spürbare Entlastung bedeutet.

Damit Sie diese Technik sicher einsetzen können, brauchen Sie ein gutes Verständnis dafür, was die Werte bedeuten und wie die Insulindosis auf Mahlzeiten, Bewegung oder Krankheitstage abgestimmt wird. Genau das vermittelt die Schulung, die wir Ihnen anbieten.

Wie wird Diabetes mellitus Typ 2 bei Kindern behandelt?

Bei einem Diabetes mellitus Typ 2 bei Kindern steht zunächst eine Umstellung der Lebensgewohnheiten im Mittelpunkt: mehr Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und bei Bedarf eine Gewichtsabnahme. Das braucht Geduld, aber schon regelmäßige Spaziergänge oder gemeinsames Kochen statt Fertiggerichte können viel bewirken. Wenn diese Maßnahmen allein nicht ausreichen, kommen Medikamente oder in manchen Fällen auch Insulingabe hinzu.

Was ist eine Unterzuckerung, und wie reagieren Sie richtig?

Eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) entsteht, wenn der Blutzucker zu stark abfällt. Das kann etwa durch eine etwas zu hohe Insulindosis, eine ausgelassene Mahlzeit oder ungewohnt intensive Bewegung passieren. Ihr Kind zittert dann, schwitzt, wird blass, hat plötzlich großen Hunger oder wirkt desorientiert.

In dieser Situation hilft schnell wirksamer Zucker: Traubenzucker oder ein Glas Saft bringen den Blutzucker in der Regel rasch wieder in den Normalbereich. In der Schulung üben wir mit Ihnen und Ihrem Kind genau solche Abläufe, damit Sie in einem solchen Fall sicher handeln und Ihr Kind die Warnsignale am eigenen Körper früh erkennen lernt.

Alltag mit Diabetes mellitus: Was Ihr Kind weiterhin kann

Kinder mit Diabetes können am Sportunterricht teilnehmen, bei Freunden übernachten und auf Klassenfahrt mitfahren. Ein normales Leben ist in der Regel mit wenigen Anpassungen vollumfänglich möglich. 

Dazu gehört, dass die Menschen im Umfeld Ihres Kindes informiert sind (Lehrkräfte, Erzieherinnen, Eltern von Freunden und Trainerinnen im Verein), damit im Fall einer Unterzuckerung der Beaufsichtigende weiß, was zu tun ist. Ein kurzer Notfallplan im Schulranzen oder in der Sporttasche gibt außerdem allen Beteiligten Sicherheit.

Warum unsere Schulung zu Diabetes mellitus bei Kindern wichtig ist

Je besser Sie und Ihr Kind den Diabetes verstehen, desto selbstverständlicher wird der Alltag mit dieser Erkrankung. In unserer Schulung lernen Sie und ihr Kind, die Blutzuckerwerte richtig einzuordnen, die Insulindosis entsprechend anzupassen und in besonderen Situationen wie Geburtstagsfeiern, Krankheitstagen oder Sportwettkämpfen immer zu wissen, wie Sie sich verhalten müssen.

Ältere Kinder und Jugendliche übernehmen dabei schrittweise mehr Verantwortung für ihre eigene Therapie. Das gelingt am besten, wenn sie sich dabei sicher begleitet fühlen.

Wann brauchen Kinder mit Diabetes mellitus sofort ärztliche Hilfe?

Suchen Sie umgehend ärztliche Hilfe, wenn Ihr Kind 

  • über längere Zeit sehr hohe Blutzuckerwerte hat, die sich nicht senken lassen
  • es sich wiederholt übergibt 
  • über starke Bauchschmerzen klagt
  • wenn bei einer schweren Unterzuckerung das Essen oder Trinken nicht mehr möglich ist
  • oder wenn es benommen wirkt oder das Bewusstsein verliert.

Häufige Fragen von Eltern zu Diabetes mellitus Typ 1 bei Kindern

Kann mein Kind mit Diabetes Sport treiben?

Ja, Bewegung ist bei Diabetes sogar gut, weil sie die Insulinempfindlichkeit der Zellen verbessert. Vor dem Sport wird die Insulindosis angepasst oder Ihr Kind nimmt zusätzliche Kohlenhydrate zu sich.

Darf mein Kind Süßigkeiten essen?

Ja, aber hier ist es entscheidend, dass Sie die Kohlenhydrate berechnen und die Insulindosis entsprechend anpassen. 

Kann Diabetes mellitus Typ 1 bei Kindern geheilt werden?

Nach heutigem Stand nicht. Aber die Therapiemöglichkeiten haben sich in den letzten Jahren erheblich weiterentwickelt, und die Forschung arbeitet intensiv an neuen Ansätzen. Kinder mit Typ-1-Diabetes erreichen heute eine Lebensqualität, die vor zwanzig Jahren noch kaum vorstellbar war.

Häufige Fragen von Eltern/Jugendlichen zu Diabetes mellitus Typ 2

Kann der Typ-2-Diabetes wieder verschwinden?

In vielen Fällen können sich die Blutzuckerwerte durch eine gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung und eine Gewichtsabnahme deutlich verbessern. Je früher die Erkrankung erkannt und behandelt wird, desto größer sind die Erfolgsaussichten.

Ist der Typ-2-Diabetes die Folge von zu viel Zucker?

Nein, die Entstehung ist meist das Zusammenspiel von Veranlagung, Übergewicht, Bewegungsmangel und weiteren Faktoren. Eine zuckerreiche Ernährung kann das Risiko jedoch erhöhen.

Unser Team begleitet Sie!

Hinter der Behandlung steht ein ganzes Team: Kinderärztinnen und Diabetologinnen, Diabetesberaterinnen, Psychologinnen, Sozialpädagoginnen, speziell geschulte Pflegefachkräfte und Physiotherapeutinnen. Gemeinsam begleiten wir Ihr Kind und Ihre Familie. Sprechen Sie uns bei Fragen jederzeit an!

Dr. med.
Friederike Richter
Leiterin Sozialpädiatrisches Zentrum, Fachärztin für Kinder- und Jugendheilkunde, Kinderrheumatologin, Diabetologin DDG
08821 701 9450
Visitenkarte

Dr. med. Friederike Richter

Leiterin Sozialpädiatrisches Zentrum

✓ Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin

✓ Diabetologin (DDG) 

✓ Schwerpunkt: Betreuung chronisch und komplex
    erkrankter Kinder 

✓ Leitung pädiatrische Diabetologie

 

Frau Dr. med. Friederike Richter begleitet seit vielen Jahren Kinder, Jugendliche und Familien mit Diabetes. Sie ist seit 2012 Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, seit 2018 Diabetologin DDG und seit Juli 2025 Leiterin des Sozialpädiatrischen Zentrums sowie der pädiatrischen Diabetologie.