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ME/CFS Symptome, Ursachen und Verlauf bei Kindern & Jugendlichen

In der Kinderklinik Garmisch-Partenkirchen finden Sie und Ihr Kind eine hochspezialisierte stationäre Behandlung für Kinder und Jugendliche mit ME/CFS. Als akademische Lehreinrichtung der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München stützen wir unsere Konzepte auf aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und klinische Erfahrung.

Unser TIGER-Projekt (Therapieprogramm Chronisches Fatigue-Syndrom) ist ein interdisziplinäres Therapieprogramm, das mit Ansätzen aus der Praxis, Forschung und Wissenschaft entwickelt wurde, um betroffene Kinder und Jugendliche Schritt für Schritt zu stabilisieren. 

ME/CFS betrifft nicht nur das erkrankte Kind, sondern die ganze Familie. Deshalb werden Sie als Eltern aktiv in den Therapieprozess einbezogen, geschult und bei der Planung für die Zeit nach der Entlassung unterstützt – damit wir gemeinsam die bestmögliche Teilhabe an einem jugendgerechten Alltag für Ihr Kind erreichen.

ME/CFS bei Kindern: Was hinter der „Krankheit der tausend Namen“ steckt

Bei der Suche nach Antworten für den Zustand Ihres Kindes sind Ihnen sicher schon viele Begriffe begegnet: Chronisches Müdigkeitssyndrom, systemische Belastungsintoleranz oder eben ME/CFS

Hinter den Bezeichnungen verbirgt sich eine komplexe organische Erkrankung, die weit über das hinausgeht, was wir unter normaler Erschöpfung verstehen.

Was bedeutet Myalgische Enzephalomyelitis / Chronisches Fatigue-Syndrom? - Symptome und Verlauf

Der Name setzt sich aus zwei Bezeichnungen zusammen, die unterschiedliche Aspekte der Krankheit aufgreifen:

Myalgische Enzephalomyelitis (ME)
Dieser sperrige Begriff lässt sich übersetzen als „Entzündung des Gehirns und Rückenmarks mit Muskelschmerz“. Auch wenn Entzündungen im Nervensystem bisher nicht bei allen Betroffenen eindeutig nachgewiesen werden konnten, macht der Name deutlich: Es handelt sich um eine neurologische Erkrankung, die den gesamten Körper betrifft.

Chronisches Fatigue-Syndrom (CFS)
„Chronisch“ bedeutet, dass der Zustand bereits über einen längeren Zeitraum – bei Kindern mindestens drei Monate – besteht. „Fatigue“ beschreibt eine bleierne, alles durchdringende Erschöpfung, die das bisherige Leistungsniveau Ihres Kindes massiv einschränkt.

Wichtig ist die Abgrenzung: Während normale Fatigue als Symptom bei vielen Krankheiten (wie Infekten oder Rheuma) vorkommen kann, ist ME/CFS eine eigenständige, schwere Multisystemerkrankung.

Warum Ruhe und Erholung das Problem bei ME/CFS nicht lösen

Die Erschöpfung bei der Erkrankung ME/CFS ist nicht durch Schlaf oder Ruhephasen zu bessern. Stellen Sie sich einen defekten Akku vor: Seine Energie lässt sich nur noch bis 70 oder 80 Prozent aufladen, leert sich aber bei der kleinsten Nutzung rasend schnell wieder. Ebenso füllt bei Ihrem Kind ein Nickerchen den „Akku“ nicht wieder auf, wie es bei gesunden Kindern der Fall wäre. Die Signale des Körpers für Erholung sind gestört, was bedeutet, dass der Körper Ihres Kindes die Energie nicht richtig herstellen und speichern kann.

Mögliche Auslöser und Ursachen für ME/CFS

Bei der großen Mehrheit der jungen Patientinnen und Patienten (ca. 75–80 %) ist eine Infektion der Startpunkt der Erkrankung. Der Körper findet nach der Abwehr der Erreger nicht mehr in sein gesundes Gleichgewicht zurück.
 

  • Besonders oft stehen das Epstein-Barr-Virus (Pfeiffersches Drüsenfieber), Influenza-Viren oder das Coronavirus am Beginn der Leidensgeschichte.
     
  • Während Long-COVID ein breiter Sammelbegriff für Langzeitfolgen ist, sprechen wir medizinisch von ME/CFS, wenn die spezifischen Kriterien – allen voran die Belastungsintoleranz (PEM) – über Monate anhalten.
     
  • In selteneren Fällen können auch schwere körperliche oder psychische Traumata sowie eine genetische Veranlagung die Entstehung begünstigen.

Mögliche Ursachen für die Entstehung von ME/CFS

ME/CFS ist eine komplexe Multisystemerkrankung, bei der zahlreiche Organsysteme wie das Atmungs-, Immun-, Verdauungs- oder Herz-Kreislauf-System nicht mehr reibungslos als Team zusammenarbeiten. 

Während beispielsweise das Atmungssystem lebenswichtigen Sauerstoff aufnimmt, der für die Energieproduktion benötigt wird, kann dieser bei betroffenen Kindern aufgrund von Durchblutungsstörungen oft nicht mehr effizient in den Zellen genutzt werden. 

Das Krankheitsbild ME/CFS kann deshalb zahlreiche Organe und Körpersysteme gleichzeitig betreffen. Der Begriff „Multisystemerkrankung“ verdeutlicht dabei die Komplexität. Die Beschwerden können in verschiedenen Körperbereichen auftreten, weil die Energieversorgung auf zellulärer Ebene gestört ist:
 

  • Energieversorgung
    Die Mitochondrien produzieren Energie (ATP) nur noch verzögert und in zu geringer Menge.
     
  • Durchblutung
    Sauerstoff und Nährstoffe gelangen nicht mehr effizient dorthin, wo sie gebraucht werden, etwa in Muskeln oder Gehirn.
     
  • Immunsystem
    Es befindet sich in einer Art Fehlreaktion oder Dauer-Alarmbereitschaft, was den Organismus zusätzlich schwächt.
     
  • Nervensystem
    Das autonome Nervensystem ist gestört, was Symptome wie Schwindel oder Herzrasen erklärt.
     
  • Stressregulation
    Der Körper kann nicht mehr angemessen zwischen Aktivität und Ruhe umschalten.
     
  • Gehirn
    Energiemangel führt zu kognitiver Erschöpfung und dem typischen „Brain Fog“.
     
  • Verdauung
    Das sensible Gleichgewicht im Magen-Darm-Trakt ist häufig gestört.
     
  • Schlaf
    Trotz schwerer Erschöpfung bleibt der Schlaf oberflächlich und bietet keine echte Regeneration.
     
  • Gen-Schalter
    Epigenetische Veränderungen beeinflussen, wie Zellen auf Belastung reagieren.

Unser Ziel in der Kinderklinik ist es, die betroffenen Systeme durch gezielte therapeutische Impulse wieder zu stabilisieren, um für Kinder mit ME/CFS Lebensqualität zurückzugewinnen.

Das Leitsymptom: Die Belastungsintoleranz (PEM: Post-exertionelle Malaise)

Das zentrale Merkmal, das ME/CFS von anderen Erkrankungen unterscheidet, ist die Post-Exertionelle Malaise (PEM). Darunter verstehen wir eine – häufig zeitversetzte – Verschlechterung aller Symptome nach einer bereits geringfügigen körperlichen, geistigen oder emotionalen Anstrengung.

  • Schon minimale Tätigkeiten wie Zähneputzen, eine kurze Unterhaltung oder Treppensteigen können einen gesundheitlichen Zusammenbruch auslösen.
     
  • Dieser Einbruch kann auch erst Stunden oder sogar bis zu zwei Tage nach der Belastung eintreten.
     
  • Eine solche PEM hält bei Kindern definitionsgemäß mindestens 14 Stunden an, kann sich aber in schweren Fällen über Tage, Wochen oder sogar Monate hinziehen.

Die häufigsten Beschwerden bei Kindern

Neben der PEM leiden Kinder mit ME/CFS häufig unter einer Vielzahl von Symptomen, die mal stärker und mal schwächer ausgeprägt sein können.

  • Brain Fog (Gehirnnebel)
    Viele Kinder berichten von kognitiven Schwierigkeiten wie Konzentrationsstörungen, Gedächtnisproblemen und einer gedanklichen Trägheit, die sich besonders im Schulalltag bemerkbar machen.
     
  • Kreislaufprobleme (POTS)
    Ein häufiger Begleiter von Kindern mit ME/CFS ist das Posturale Tachykardiesyndrom. Hierbei beschleunigt sich der Herzschlag beim Aufstehen, was zu Schwindel, Übelkeit, Benommenheit oder Ohnmachtsanfällen führen kann.
     
  • Nicht erholsamer Schlaf
    Trotz schwerer Erschöpfung und langer Schlafzeiten fühlen sich betroffene Kinder morgens „wie gerädert“. Der Schlaf hat seine regenerative Funktion verloren.
     
  • Schmerzen
    Wir beobachten häufig Kopfschmerzen (einschließlich Migräne), Muskelschmerzen und Gelenkschmerzen, die den Alltag zusätzlich belasten.
     
  • Sensorische Empfindlichkeit
    Viele junge Patienten reagieren sehr empfindlich auf Licht, Geräusche oder Gerüche, was teilweise eine absolute Ruhe und Verdunklung des Zimmers erforderlich macht.

Unterschiede zwischen Kindern und Erwachsenen

Obwohl die Grundkriterien ähnlich sind, zeigt sich ME/CFS bei Kindern oft mit anderen Schwerpunkten als bei Erwachsenen.

  • Kinder und Jugendliche leiden im Vergleich zu Erwachsenen deutlich häufiger unter Kopf- und Bauchschmerzen sowie unter Schwindel. Muskel- und Gelenkschmerzen werden von jungen Patienten hingegen etwas seltener berichtet als von Erwachsenen.
     
  • Bei jungen Menschen entwickeln sich die Symptome tendenziell langsamer, verändern sich jedoch im Verlauf oft schneller und dramatischer.
     
  • Während bei Jugendlichen und Erwachsenen Frauen deutlich überwiegen, ist das Geschlechterverhältnis bei jüngeren Kindern (unter 12 Jahren) nahezu ausgeglichen.

Trotz der Schwere des Krankheitsbildes gibt es einen wichtigen Lichtblick: Die Aussicht auf eine signifikante Besserung oder Genesung ist bei Kindern und Jugendlichen bei frühzeitiger Diagnose und korrektem Management meist positiv einzustufen.

ME/CFS ist keine seltene Erkrankung

Vielleicht fühlen Sie sich als Familie mit der Erkrankung ME/CFS allein auf weiter Flur. Doch wir wissen inzwischen: ME/CFS ist keine seltene Erkrankung. Experten gehen davon aus, dass in Deutschland etwa 0,55 % bis 0,75 % der Kinder und Jugendlichen betroffen sind. Das entspricht einer vorsichtigen Schätzung von etwa 78.500 betroffenen jungen Menschen bundesweit.

Damit tritt ME/CFS ebenso häufig auf wie Multiple Sklerose (MS). Dass man im Alltag dennoch weniger darüber hört, liegt an der hohen Dunkelziffer: Die Symptome sind nicht immer eindeutig zuzuordnen und es gibt noch keine etablierten und einfach zugänglichen Diagnoseverfahren, weshalb viele Betroffene gar keine oder erst sehr spät die richtige Diagnose erhalten.

Der Weg zur Diagnose ME/CFS

In unserer Klinik nehmen wir uns viel Zeit, um durch eine sorgfältige klinische Bestandsaufnahme Klarheit über das Krankheitsbild Ihres Kindes zu schaffen. Da es aktuell noch keinen testbaren Laborwert für ME/CFS gibt, stützen wir uns bei der Diagnosestellung auf international anerkannte Standards.

  • Diagnose nach den Kanadischen Konsenskriterien (CCC)
    Wir orientieren uns primär an den sogenannten Kanadischen Konsenskriterien, die in Deutschland als Goldstandard gelten.
     
  • Ausschluss alternativer Ursachen
    Wir führen eine umfassende Differentialdiagnostik durch. Hier schließen wir alternative Erkrankungen, die ähnliche Symptome verursachen können, sicher aus; dazu gehören unter anderem noch aktive chronische Infektionen, Depression oder klassische rheumatische Erkrankungen.
     
  • Angehörige als Experten
    Ihre Beobachtungen sind für uns eine unverzichtbare diagnostische Basis. Niemand kennt den Krankheitsbeginn, die individuellen Belastungsauslöser und den Tagesrhythmus Ihres Kindes so genau wie Sie. Das Führen eines Tagebuchs oder die Vorbereitung mit einer Checkliste hilft uns, Muster in der Erkrankung besser zu verstehen.
     
  • Einordnung psychischer Belastungen
    Psychische Belastungen wie Ängste oder Niedergeschlagenheit bei ME/CFS können eine Folge der schweren körperlichen Erkrankung und der damit einhergehenden sozialen Isolation sein, zählen aber in der Regel eher nicht zu deren Ursache. Wir nehmen diese Sorgen ernst und integrieren sie unterstützend in unser Konzept.
     
  • Die Wichtigkeit der Präzision in der Diagnose
    Eine exakte Abgrenzung zu anderen Krankheitsbildern ist entscheidend für den Behandlungserfolg bei ME/CFS. Während beispielsweise bei einer klassischen Depression eine aktivierende Therapie oft heilungsförderlich ist, kann genau diese Aktivierung bei ME/CFS aufgrund der PEM zu einer Verschlechterung des Zustands führen.

Durch eine fundierte Diagnose geben wir Ihnen und Ihrem Kind die Sicherheit, die Sie für den weiteren Weg der Stabilisierung bei ME/CFS benötigen.

Stationäre Behandlung in Garmisch-Partenkirchen für Kinder mit ME/CFS – Das TIGER-Programm

Wenn die ambulanten Möglichkeiten erschöpft sind und die Erkrankung den Alltag Ihres Kindes massiv einschränkt, kann eine spezialisierte stationäre Behandlung ein Wendepunkt sein. Als erste Einrichtung in Deutschland bieten wir eine spezialisierte stationäre Versorgung für Kinder und Jugendliche mit ME/CFS.

Hinter dem TIGER-Programm steht ein multiprofessionelles Team, das sich über die Fortschritte Ihres Kindes regelmäßig austauscht. Bei uns arbeiten Spezialisten aus den Bereichen Medizin, Psychologie, Physiotherapie, Ergotherapie, Pflege und Sozialdienst. Auch unsere klinikeigene Schule ist Teil des Konzepts, um eine behutsame und angepasste Teilhabe an Bildung zu ermöglichen.

Warum kann eine stationäre Therapie bei Jugendlichen und Kindern mit ME/CFS eine Chance für einen Neuanfang sein?

Unser TIGER-Programm (Therapieprogramm Chronisches Fatigue-Syndrom) wurde speziell für junge Patientinnen und Patienten entwickelt, die unter ME/CFS leiden. Ein Aufenthalt in unserer Klinik bietet Ihrem Kind einen geschützten Raum, in dem es den Umgang mit der Erkrankung ME/CFS und Strategien für Alltag, Schule und soziale, emotionale und körperliche Herausforderungen lernt. 

Was Ihr Kind bei uns erwartet

Wir passen den Rhythmus des Programms dabei individuell an die Bedürfnisse Ihres Kindes an. Um Überforderungen zu vermeiden, ist die Dauer einzelner Einheiten auf maximal 30 Minuten begrenzt. Auf ausreichende Erholungszeiten zwischen den Einheiten wird geachtet.

Ganzheitliche Stabilisierung

Um die Genesung Ihres Kindes ganzheitlich zu unterstützen, orientieren wir uns am Garmischer Modell:

  1. Aktivitäts- und Energiemanagement (Pacing)
    Das Einhalten der individuellen Belastungsgrenzen ist die wichtigste Strategie, um Rückfälle zu vermeiden.
     
  2. Gemeinschaft und soziale Unterstützung
    Ein starker Rückhalt durch Familie, Freunde und Fachkräfte schützt vor Isolation und bietet emotionalen Halt.
     
  3. Bildung und Aufklärung
    Je besser Sie und Ihr Kind die Erkrankung verstehen, desto sicherer können Sie im Alltag die richtigen Entscheidungen treffen.
     
  4. Symptommanagement
    Begleitende Beschwerden wie Schmerzen, Kreislaufprobleme oder Konzentrationsstörungen werden durch gezielte Maßnahmen gelindert.
     
  5. Emotionale Stärke
    Stressmanagement und Entspannungstechniken helfen dabei, auch in schwierigen Phasen der Erkrankung im Gleichgewicht zu bleiben.
     
  6. Schlaf
    Die Förderung einer gesunden Schlafhygiene ermöglicht es dem Körper Ihres Kindes, seine Energiereserven bestmöglich zu regenerieren.
     
  7. Ernährung
    Eine ausgewogene, nährstoffreiche Kost schont den Organismus.
     
  8. Medikamentöse Unterstützung
    Bei Bedarf ergänzen wir die Therapie durch eine symptomorientierte Medikation, um Mangelerscheinungen auszugleichen und Symptome zu mildern.

Das Ziel der stationären Behandlung bei Kindern mit ME/CFS ist eine ganzheitliche, stufenweise Stabilisierung. Wir messen den Therapieerfolg dabei nicht allein am Grad der Erschöpfung, sondern allem voran an den Fortschritten in der Alltagsstruktur, des Energiemanagements und der zurückgewonnenen Lebensqualität – für Ihr Kind und für Sie als Familie.

ME/CFS – Schritt für Schritt durch die Erkrankung

Die Aussichten auf eine signifikante Besserung oder Genesung bei Kindern und Jugendlichen sind deutlich positiver einzustufen als bei Erwachsenen, bei denen der Genesungsweg häufig leider länger dauert. Die Forschung schreitet stetig voran, und mit den passenden Strategien lernt Ihr Kind seine energetischen Grenzen kennen und sich darin zu bewegen.  

Sie als Eltern sind die Experten für Ihr Kind, und Ihr Kind ist der Experte für sein eigenes Befinden. Wir ergänzen Ihr wertvolles Wissen durch die fachliche Expertise und die Erfahrung unseres interdisziplinären Teams, um Sie und Ihr Kind bestmöglich auf dem Weg durch die Erkrankung ME/CFS zu unterstützen. 

In unserer Klinik lehren wir im Umgang mit ME/CFS die „Kunst der kleinen Schritte“. Jeder Sieg im Alltag ist ein Erfolg: wenn ein Symptom gelindert wird, wenn eine Erholungsphase kürzer ausfällt oder wenn ein kurzer Moment der sozialen Teilhabe wieder möglich wird. Jeder noch so kleine Meilenstein bildet das Fundament für eine langfristige Stabilisierung.

Post-COVID 19 Syndrom bei Kindern und Jugendlichen

Eine Infektion mit dem Coronavirus klingt bei vielen Kindern folgenlos ab. Doch nicht bei allen: Manche jungen Patientinnen und Patienten entwickeln direkt im Anschluss an die akute Erkrankung oder erst Wochen später Beschwerden, die sich unter dem Begriff Post-COVID-19-Syndrom zusammenfassen lassen.

Dahinter verbergen sich vier mögliche Verläufe:

  • Symptome, die seit der akuten COVID-19-Phase oder deren Behandlung unverändert fortbestehen.
  • Symptome, die zu einer neuen gesundheitlichen Einschränkung geführt haben.
  • Symptome, die erst nach dem Abklingen der akuten Erkrankung neu hinzukommen.
  • Eine Verschlechterung von Beschwerden, die schon vor der Infektion bestanden.

Wie sich das Post-COVID-19-Syndrom äußert, ist von Kind zu Kind verschieden. Häufig berichten die Betroffenen von einem anhaltenden Verlust des Geruchs- oder Geschmackssinns, von Verdauungsproblemen, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen oder einer ungewöhnlich raschen Erschöpfbarkeit, die sich durch Schlaf und Ruhe nicht beheben lässt.

In unserer Kinderklinik in Garmisch-Partenkirchen behandeln wir junge Patientinnen und Patienten, bei denen die Folgen einer COVID-19-Infektion so ausgeprägt sind, dass sie eine ausgeprägte Fatigue entwickelt haben oder die Kriterien einer ME/CFS-Erkrankung erfüllen. Für diese Kinder und Jugendlichen greifen die gleichen Bausteine wie im TIGER-Programm: gemeinsam üben wir ein behutsames Energiemanagement, sorgen für die Linderung von akuten Symptomen und binden die Familie des Kindes eng in den Therapieprozess ein.