Die psychosoziale und pädagogische Therapie
1. Therapeutisches Handeln des Sozialdienstes
Eine rheumatische, chronische Erkrankung mit ihren weitreichenden Konsequenzen betrifft neben den Patienten die gesamte Familie. Daher übernimmt der Krankenhaus Sozialdienst wichtige Aufgaben bei der Betreuung und Beratung von Patienten und deren Eltern/Angehörigen während des Krankenhausaufenthaltes und bei der Gewährleistung einer adäquaten Weiterversorgung nach der Entlassung aus dem Krankenhaus. Im Mittelpunkt der sozialpädagogischen Betreuung steht die Förderung des Selbstwertgefühls, das soziale Lernen und das Schaffen von Lebensräumen, in denen die Krankheit nicht im Mittelpunkt steht.
Die gesetzlichen Grundlagen des Sozialdienstes im Krankenhaus sind im Sozialgesetzbuch (SGB) V und im bayerischen Landeskrankenhausgesetz zu finden. Im § 112 Abs. 2 Nr. 4 und 5 SBG V sind die Ansprüche auf soziale Beratung und Betreuung der Versicherten geregelt. Das Versorgungsmanagement ist in § 11, Abs. 4 SBG V geregelt.
Die psychosoziale Begleitung bei einer möglichen Vielzahl von Problemen und unbekannten Herausforderungen ist uns ein Anliegen. Patienten und Eltern sollen individuell und umfassend begleitet, betreut und beraten werden. Dabei stehen wir unseren Patienten und deren Angehörigen auch über den stationären Aufenthalt hinaus mit Rat und Tat zur Seite.
Grundlage unseres therapeutischen Handelns ist der ganzheitliche Blick auf das Kind, den Jugendlichen und die betroffene Familie. Wir unterstützen Kinder und Eltern bei allen Fragen der Krankheitsbewältigung. Dabei steht die Hilfe zur Selbsthilfe im Vordergrund. Ein wesentlicher Grundsatz unserer Arbeit lautet: So wenig Ausnahmen wie möglich, so viel wie nötig!
Methodischer Hintergrund
Die Mitarbeiter des Sozialdiensts orientieren sich in ihrer täglichen pädagogischen und beratenden Arbeit in den unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen des Sozialdienstes im DZKJR schwerpunktmäßig an diesen Methoden:
- systemische Betreuungsarbeit
- Case Management - Unterstützungsmanagement
- Klientenzentrierte Gesprächsführung (Aktives Zuhören)
Hauptziel des Sozialdienstes ist es den Prozess zur Annahme der Krankheit zu begleiten und den Patienten dabei behilflich zu sein, sich in realitätsgerechter Weise mit ihrer psychischen, körperlichen und sozialen Situation auseinander zu setzen. Dazu gehören die Reflexion der beruflichen und finanziellen Situation, die Klärung und gegebenenfalls die Neustrukturierung der Beziehungen in Familie und Freundeskreis, aber auch die Trauer um die eingeschränkte Gesundheit und der Verlust von Lebensqualität bis hin zur Auseinandersetzung mit dem Sinn des Leidens.
Der Sozialdienst möchte erreichen,
- dass die Patienten und Eltern gut über ihre Krankheit und damit verbundenen Fragestellungen informiert sind um selbständig handeln zu können (Wissensvermittlung).
- dass konkrete Hilfen zur Krankheits- und Alltagsbewältigung vermittelt werden.
- dass Begleitung, Information und Beratung für die Kinder/Jugendlichen und deren Angehörige in psychosozialen Fragestellungen einen Raum haben und stattfindet.
- dass der Krankenhausaufenthalt so ‚normal und alltagsgerecht wie möglich’ ist.
- dass die Patienten mehr Selbstvertrauen und Verantwortung im Umgang mit ihrer gesamten Lebenssituation, aber auch im Kontakt mit Therapeuten, Lehrkräften, Mitschülern, etc bekommen.
- dass in Zusammenarbeit mit der privaten Schule für Kranke Hilfen zur Unterstützung in Schule, Ausbildung und Beruf angeboten und weiterentwickelt werden können.
- dass Gefühle benannt und Ängste genommen werden können. Dass die diakonische Identität des Hauses tragend ist und seelsorgerliche Begleitung erfolgen kann.
- Das in Zusammenarbeit mit dem Psychologischem Dienst psychologische Beratung für Patienten und Angehörige angeboten wird.
3. Überblick über die Angebote des Sozialdienstes
Die soziale und pädagogische Therapie findet in der Kinderbetreuung, in der Künstlerwerkstatt, der Musik- und Tanztherapie, dem Freizeitprogramm in der Villa und nahen Umgebung und in der Beratung von Patienten und Eltern statt.
Erstkontakt zu Patienten und Eltern
Ein wesentlicher Teil des ganzheitlichen Ansatzes ist die persönliche Vorstellung der Angebote und Leistungen des Sozialdienstes im Rahmen des Erstkontakt-Besuches bei Patienten und Eltern. Daraus können gezielte allgemeine, sozialrechtliche und berufliche Beratungen mit den Patienten und deren Eltern durchgeführt werden.
Beratungsangebote
Für Jugendliche und Eltern besteht ein Angebot der schulischen und sozialrechtlichen Beratung sowie das Angebot zur Berufsorientierung. Die Themen und Fragestellungen erstrecken sich über das gesamte schulische, berufliche und sozialrechtliche Spektrum. Die Beratung kann in Einzel- und Gruppengesprächen erfolgen.
Seelsorgerliche Begleitung
Für Patienten und Eltern existiert das Angebot einer seelsorgerlichen Begleitung. Darüber hinaus vollziehen sich Aspekte seelsorgerlicher Begleitung in den unterschiedlichen Formen von Patienten- und Elternkontakten.
Pädagogische und freizeitorientierte Betreuungsangebote
Es finden wöchentlich für Kinder und Eltern freizeitpädagogische Betreuungsangebote statt. Neben den Freizeitaktivitäten organisiert der Sozialdienst Klinikfeste und Veranstaltungen im Rahmen des Kirchenjahres (St. Martins-Umzug, Nikolausfeier, Kinder-Weihnachtsspiel, Kinder-Fasching, Ostergottesdienst, Kinder-Sommerfest usw. ...)
Kinderbetreuung
Mit kreativen Angeboten, Sing-und Kreisspielen, Experimenten und Geschichten, Theater und vielem mehr, können Kinder einen bunten fröhlichen Vormittag erleben. Situationsorientiert arbeiten die Erzieherinnen mit den Stärken und Bedürfnissen des Kindes.
Künstlerwerkstatt
In der Künstler-Werkstatt finden Kinder Abwechslung vom Klinikalltag und Unterstützung in der Krankheitsbewältigung. Sie können mit verschiedenen Materialien bei unterschiedlichsten Angeboten experimentieren und ihrer Kreativität freien Lauf lassen.
Ehrenamtliche Besuchsdienst
Für Kinder, die ohne Eltern und Angehörige vor Ort sind, besteht das Angebot des ehrenamtlichen Besuchsdienstes. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter werden bei ihrer Tätigkeit durch den Sozialdienst begleitet.
Villa, Elternunterkunt
Die Villa ist unser Übernachtungs- und Freizeithaus. Hier können sich Kinder und Eltern begegnen und Abstand vom Klinikalltag gewinnen. In begrenztem Umfang stehen Übenachtungsplätze für Eltern zur Verfügung, die nicht stationär mit aufgenommen sind.
Psychologische Betreuung von Patient und Familie
Die chronische Erkrankung löst bei Kindern und Jugendlichen unterschiedliche Gefühle aus. Sie durchlaufen viele Phasen mit unterschiedlichen Belastungen, auf die sich die ganze Familie immer wieder neu einstellen muss. Schmerzen und körperliche Einschränkungen können die soziale Integration erschweren. Die Kombination von alterspezifischen Entwicklungsaufgaben und krankheitsbedingten zusätzlichen Herausforderungen kann zu Verhaltensauffälligkeiten führen. Dies ist jedoch nicht zwangsläufig so, im Gegenteil kann eine chronische, rheumatische Erkrankung auch eine positive Herausforderung bedeuten, wobei die Kinder mehr Selbstbewußtsein und soziale Kompetenzen erlagen und früher reifen.
Kleine Kinder erleben die Einschränkungen anders als Jugendliche und brauchen daher andere Lösungsmuster und Anregungen durch den Therapeuten, ein Sozialpädagoge oder Psychologe kann adäquate, praktische Hilfe für den Alltag mit einem rheumakranken Kind anbieten,. Für Eltern stehen oft Fragen zur Erziehung oder zur Gestaltung des Tagesablaufs mit seinen zusätzlichen Belastungen im Mittelpunkt. Der Therapeut will Mut machen, sich gemeinsam den Anforderungen der Krankheit zu stellen und sie zu meistern. Bei tiefgreifenden Auswirkungen der Erkrankung und Beziehungsstörungen innerhalb der Familie kann eine begleitende Beratung durch Dritte, z.B. eine Familientherapie, hilfreich sein.
Selbsthilfegruppen, Elternvereinigung
In Deutschland gibt es bundesweit Elternkreise rheumakranker Kinder und Jugendlicher. Sie stehen unter dem Dach der Deutschen Rheuma-Liga. Hier engagieren sich betroffene Eltern. Sie geben ihre Erfahrungen weiter, beraten und begleiten Familien mit einem kranken Kind. Daneben haben sie sich zum Ziel gesetzt, die Öffentlichkeit über rheumatische Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter aufzuklären und mitzuhelfen, die medizinische und soziale Versorgung zu verbessern. Die Elternkreise arbeiten eng zusammen mit Fachärzten, Therapeuten, Krankenkassen, Ämtern, Ministerien etc. Sie bieten gemeinsame Informationsveranstaltungen oder auch zwanglose Treffen zum Erfahrungsaustausch an. Eine individuelle Beratung erfolgt auch über Kontaktstellen, die in einigen Kliniken eingerichtet sind oder über die telefonische Beratung am „Rheumafon“. Außerdem besitzen die Elternkreise umfangreiches Informationsmaterial, das sie auf Anfrage kostenlos zur Verfügung stellen.
Für viele Eltern bedeuten die Elternkreise eine sinnvolle, praktische Lebenshilfe. Oft finden sie vor allem dort die notwendige seelische Unterstützung. Sie erkennen, wie entlastend es sein kann, sich in einem Kreis von Menschen zu bewegen, die die eigenen Unsicherheiten nachvollziehen können, ohne dass Erklärungen vorausgeschickt werden müssen.
Für betroffene Jugendliche und junge Erwachsene, die Eigenverantwortung für ihre Krankheit übernehmen möchten, gibt es innerhalb der Rheuma-Liga die Gruppen junger Rheumatiker. Sie veranstalten vor allem in größeren Städten regelmäßige Treffen zum Erfahrungsaustausch, organisieren Seminare zu Themen, die sie besonders interessieren, pflegen internationale Kontakte mit betroffenen jungen Leuten aus anderen Ländern und bieten ein eigenes „Rheumafon“ zur telefonischen Beratung an.




