Unsere Krankengymnastik Broschüre zum downloaden
|
|
Krankengymnastikbroschuere_Kinderklinik_Garmisch-Partenkir_.pdf |
Physikalische Therapie
Die physikalische Therapie beinhaltet die individuelle Krankengymnastik, Bewegungsbad, Massage und Elektrotherapie, sowie die gezielte Ergotherapie. Auch die Versorgung mit Hilfsmitteln gehört in diesen Therapiebereich.
Eine Entzündung führt zu einer Schonhaltung und einem veränderten Muskelgleichgewicht um Schmerzen zu vermeiden. Dabei nimmt die Beweglichkeit der betroffenen Gelenke ab.
Durch die veränderte Gelenkstellung kommt es im Alltag zu Fehlbelastungen. Im weiteren Verlauf können sich aus der Fehlhaltung Fehlstellungen entwickeln.
Ein frühzeitiger Behandlungsbeginn ist demnach entscheidend für den Erfolg der Therapie.
Das Ziel der physikalischen Therapie ist der Erhalt bzw. die Wiederherstellung der vollen Gelenkfunktion und des normalen Bewegungsmusters.
Um den Schmerzkreis unterbrechen zu können dürfen die gewählten Behandlungstechniken keine neuen Schmerzen verursachen.
Physiotherapie
Basierend auf einem genauen Befund erfolgt die physiotherapeutische Behandlung vor allem als Einzeltherapie nach dem Garmischer Behandlungskonzept zur Physiotherapie in der Kinderrheumatologie. Sie wird altersentsprechend angepasst
Schmerzlinderung und Entspannung der hypertonen Muskulatur
Dies kann im akuten Schub bereits durch die richtige Lagerung der schmerzhaften Gelenke unterstützt werden. Durch passives bzw. aktiv-assistives Bewegen und verschiedene entspannende Maßnahmen lassen sich die Schmerzen reduzieren und somit die Schonhaltung lösen.
Entlastete Bewegungen z.B. im Schlingentisch oder im Bewegungsbad helfen den Stoffwechsel der Gelenke zu verbessern und auf diese Weise die Schmerzgrenze zu verschieben.
Schmerzlindernd wirken auch entlastende Hilfsmittel, die gleichzeitig zum Gelenkschutz beitragen.
Verbessern der Gelenkbeweglichkeit
Zunächst erfolgt die Mobilisation Die betroffenen Gelenke können mit verschieden krankengymnastischen Techniken mobilisiert werden, Der Schmerz ist hierbei ein wichtiger Anhaltspunkt für die Mobilisationsgrenze. Schmerzhemmende Maßnahmen, wie z.B. Kälteanwendungen sollten daher nicht direkt vor der Therapie stattfinden. Zur weiteren Verbesserung der Gelenkbeweglichkeit trägt das Dehnen der verkürzten hypertonen Muskulatur und das Aktivieren der hypotonen Muskulatur bei. Das aktive Arbeiten aus der Schonhaltung heraus beginnt mit kleinen Bewegungssequenzen unter ständiger Korrektur. Mit zunehmender Besserung wird das Bewegungsausmaß vergrößert und die Belastung gesteigert.
Sind die Gelenke reizfrei kann mit gezieltem Muskeltraining begonnen werden. Individuell werden hierzu Übungen ohne oder mit Geräten ausgesucht.. Maßgabe ist immer, dass die entsprechende Übung ohne Ausweichbewegung durchgeführt werden kann.
3. Bahnen physiologischer Bewegungsabläufe
Voraussetzung für das aktive Üben ist stets eine ausreichende Gelenkbeweglichkeit, die Korrektur der Achsen und eine kompensationsfreie Durchführung.
Bewegungsabläufe werden durch häufiges Wiederholen unter Korrektur der Achsen neu gebahnt. Die alten Bewegungsmuster verschwinden allmählich. Ziel ist eine kompensationsfreie Durchführung. Feldenkrais kann hierfür unterstützend wirken.
Elternanleitung, Heimprogramm:
Für eine gute Compliance ist die Information von Eltern und Patienten unumgänglich. Dies erfolgt sowohl im Rahmen spezieller Schulungsprogramme („Pauli will's wissen Woche“) vor allem jedoch einzeln im Rahmen der Therapieeinheiten. Gut geschulte Eltern und Patienten können Veränderungen schneller erkennen und adäquat darauf reagieren.
Um die Fortführung der hier begonnenen Therapie zu gewährleisten werden individuelle Heimprogramme für die Patienten erstellt und sowohl die Eltern als auch die Patienten selbst angeleitet und korrigiert.
Hilfsmittelversorgung
Speziell für den Patienten angepasste Hilfsmittel können helfen die Schmerzen zu lindern und die falsch eintrainierten Bewegungsmuster zu durchbrechen. Auch zur Verbesserung von Kontrakturen kommen diverse Hilfsmittel zum Einsatz.
Wichtig ist zum einen die Kontrolle der Passform, zum anderen aber auch das Üben des richtigen Umganges mit dem Hilfsmittel um die Wirksamkeit und die Akzeptanz zu gewährleisten.
Hilfmittel, die zu wenig oder zu viel korrigieren, zu hart oder zu weich sind verbessern den Gelenkbefund nicht., Es muss immer individuell entschieden werden welches Hilfsmittel für den Patienten indiziert ist.
Nur die ständige Kontrolle der Fertigung und des Endproduktes garantieren eine befundorientierte, funktionelle Passform.
Physikalische Maßnahmen
Physikalische Maßnahmen werden vorrangig eingesetzt zur Schmerzlinderung, Entzündungshemmung und Muskelentspannung. Bei akut entzündeten und schmerzhaften Gelenken helfen Kältepackungen wie Eisbeutel, Alkohol- oder Quarkumschläge. Lokale Wärme ist angebracht zur Entspannung hypertoner Muskeln. Die Anwendung im Gelenksbereich sollte jedoch nur erfolgen, wenn die Entzündung abgeklungen ist. Mit Hilfe verschiedener Massagetechniken können Muskelverspannungen und Faszienverklebungen gelöst werden. Schmerzlindernd und muskelrelaxierend wirkt die Elektrotherapie, z.B. als Interferenz- oder Hochvolttherapie. Auch die Behandlung mit transkutaner elektrischer Nervenstimulation (TENS) kann zur lokalen Schmerzreduzierung herangezogen werden. Die TENS-Geräte sind klein und einfach zu bedienen, so dass eine regelmäßige Behandlung zu Hause möglich wird. Im Bewegungsbad mit Wassertemperaturen um 30 Grad können sich rheumakranke Kinder austoben. Diese Form der Behandlung fördert vor allem das Bewegungsgefühl und die Lebensfreude.
Ergotherapie
Die Ergotherapie ist, vor allem indiziert für Kinder mit Arthritis im Bereich der Hand- und Fingergelenke. Im Vordergrund steht das Funktionelle Training. Durch spielerische und handwerkliche Tätigkeiten lernen die Kinder, das neu erworbene physiologische Bewegungsmuster umzusetzen. Gleichzeitig wird die Hand-Finger-Funktion trainiert. Die verschiedenen Werksmaterialien wie Ton, Fingerfarben oder Seide stimulieren die Sensomotorik der Hände. Der Einsatz unterschiedlicher handwerklicher Materialien fördert zudem die Kreativität.
Ein wichtiger Beitrag der Ergotherapie im Gesamtkonzept ist die Beratung und das Training für den Gelenkschutz. Kinder werden spielerisch damit vertraut gemacht. Jugendliche werden gezielt zu Problemen im Alltag beraten und können verschiedene Lösungsmöglichkeiten ausprobieren. Patienten mit stärkeren Behinderungen benötigen zusätzliche Anleitung, um mehr Selbständigkeit zu erreichen. Hierfür sind Hilfsmittel zur Körperpflege oder für den Haushalt notwendig,. die patientengerecht adaptiert werden.
Belastbarkeit im Alltag und Sport
Im akuten Stadium schränkt die rheumatische Erkrankung die körperliche Belastung ein. Bei starken Schmerzen verzichten Kinder freiwillig auf Bewegung. Oft beobachtet man jedoch rheumakranke Kinder, die trotz erheblicher Gelenkschwellungen scheinbar unbeeinträchtigt toben und Sport treiben. Der ausgeprägte Bewegungsdrang des Kindes und die Freude am Sport erhalten die körperliche Aktivität. In der Belastung fixieren die Kinder die betroffenen Gelenke jedoch unweigerlich in einer schmerzentlastenden Schonhaltung. Dadurch wird die Entwicklung von Fehlstellungen begünstigt und die Gelenkprognose verschlechtert. Akut entzündete Gelenke müssen deshalb entlastet , der Gelenkschutz mit den Patienten besprochen und geübt werden.
Auf der anderen Seite sollen rheumakranke Kinder sich bewegen, um Stoffwechsel und Wachstum im Gelenkbereich anzuregen, die Gelenke muskulär zu stabilisieren und einer Osteoporose vorzubeugen. Darüber hinaus fördert sportliche Betätigung die soziale Kompetenz und kann das psychische Befinden positiv beeinflussen.
Die Möglichkeiten sportlicher Betätigung müssen stets an den aktuellen Gesundheitszustand angepasst werden., abhängig von der momentanen Krankheitsaktivität und den betroffenen Gelenken.
Akute Phase der Arthritis „Viel Bewegung, wenig Belastung“
In diesem Stadium eignen sich vor allem Sportarten, bei denen das Körpergewicht abgegeben ist oder nur nicht betroffenen Gelenke beansprucht werden. Beim Radfahren z.B. ist das Körpergewicht über den Sattel abgegeben, beim Schwimmen trägt das Wasser zur Entlastung der Gelenke bei. Im Schwimmbad sollte darauf geachtet werden, dass die Kinder nicht auskühlen. Die optimale Wassertemperatur ist also immer abhängig von der Aktivität im Wasser. Außerdem muss darauf geachtet werden, dass die Patienten nicht lange in nasser Badekleidung außerhalb des Beckens warten müssen.
Sind auch die inneren Organe betroffen, darf sportliche Betätigung nur sehr vorsichtig und immer nur nach Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen.
Semi akute Phase der Arthritis (Gelenkeinschränkungen bei abgeklungener Entzündungs-aktivität) „Viel Bewegung, dosierte Belastung“.
Bei Rückgang der Gelenkentzündung können die Kinder wieder schrittweise in den Sport integriert werden. Wichtig ist hierbei das achsengerechte Belasten der Gelenke um Fehlbelastungen zu vermeiden.
Vor allem Sportarten mit langsamen Bewegungsabläufen ohne hohe Impulskräfte eignen sich .
Außerdem gilt für die neu hinzugekommenen Aktivitäten : Lieber mehrmals dosiert als einmal lang und intensiv. Wichtig ist ausreichend Pausen und Erholungsphasen einzuplanen.
Remissionsphase (keine wesentlichen Gelenkeinschränkungen, Entzündungen seit einigen Monaten abgeklungen) „Viel Bewegung, Belastung mit Achtsamkeit“.
Abhängig von der Tagesform kann die sportliche Betätigung nun intensiviert werden. Das Wahrnehmen und Einhalten der eigenen Grenzen ist hierbei besonders wichtig. Leistungssport ist eher nicht zu empfehlen.
In Bezug auf den Schulsport ist es nötig die Lehrkraft gut über die Erkrankung zu informieren und gemeinsam die Möglichkeiten einer Integration in den Unterricht zu erarbeiten.
Erfolgt die Teilnahme ohne Notengebung oder mit einer Teilbefreiung, so ist es für die Patienten leichter sich nicht zu überfordern und nur das mitzumachen, was sie wirklich können.
Ist dies nicht möglich, so sollten die Kinder/Jugendlichen die Zeit nutzen dürfen um z.B. zur Physiotherapie zu gehen oder ihr eigenes Heimprogramm durchzuführen.
Generell sollten beim Sport allgemeine Trainingsgrundsätze beachtet und Sportgeräte evtl. speziell angepasst bzw. Hilfsmittel eingesetzt werden um eine gelenkschonende Belastung zu gewährleisten.




