„Kinder-Rheuma“ ist ein Sammelbegriff für verschiedene, oft schmerzhafte Erkrankungen des Bewegungsapparates, also von Gelenken, Muskeln, Bändern oder Sehnen. Aber auch innere Organe, die Augen, die Haut oder die Blutgefäße können in einen entzündlich-rheumatischen Prozeß einbezogen sein. In diesem Sinne kann man Gelenkrheuma von Hautrheuma, Augen-, Muskel- oder Organrheuma unterscheiden. Hellhörig sollte man werden, wenn sich eine entzündliche Erkrankung mit Gelenkschwellungen und/oder Hautausschlägen und/oder Organ- (z.B. Nieren-) –entzündungen lange hinzieht und der Arzt keine Ursache ausmachen kann.
Merke: Je jünger die Kinder desto weniger drücken sie Gelenkschmerzen in Worten aus. Sie verwenden statt dessen ihre „Körpersprache“, z.B. wollen sie nicht mehr laufen oder benutzen die Hand mit steif gestreckt gehaltenem Handgelenk.
Hinweise auf „Rheuma" können sein:
- Gelenkschwellung, Gelenkerwärmung oder Gelenkschmerzen, die länger als 6 Wochen dauern und für die sonst keine Ursache, z.B. eine Infektion, gefunden wird.
- Unklare, länger andauernde, aber auch flüchtige Hautausschläge mit oder ohne Fieber.
- Eine Regenbogenhautentzündung, die der Augenarzt bei der Spaltlampenuntersuchung findet.
- Organsymptome, z.B. immer wieder auftretende Herzbeutelentzündungen, für die der Arzt auch nach intensiver Abklärung keine Ursache findet.
- Über Wochen und Monate dauernde Muskelschwäche oder Muskelschmerzen ohne erkennbare Ursache.
- Über Wochen und Monate auftretende Fieberschübe, für die der Arzt auch nach intensiver Abklärung keine Ursache findet, mit oder ohne Gelenk- und/oder Organsymptome.
10 frühe Hinweise für Gelenkrheuma (juvenile idiopathische Arthritis (JIA)
- In der Vorgeschichte bildet eine Schuppenflechte in der Familie oder beim Kind selbst einen wichtigen Hinweis.
- Für die Gelenkentzündung typisch ist ein verdicktes Gelenk ohne vorausgehenden Unfall. Die Haut über dem geschwollenen Gelenk ist meist wärmer als die Umgebung.
- Die Kinder ändern ihre Körperhaltung. Sie fixieren das entzündete Gelenk in einer Schonhaltung, die sich bei Belastung verstärkt. So befindet sich beispielsweise das Knie in einer Beugehaltung und es kann nicht mehr vollständig gestreckt werden.
- Rheumakinder bewegen sich anders: sind wenige Gelenke erkrankt, kann die Bewegungseinschränkung von den Nachbargelenken ausgeglichen werden. Die Kinder hinken oder humpeln oder greifen mit eigentümlich verdrehter Hand, bleiben jedoch bewegungsfreudig. Bei den Vielgelenkformen verlangsamen sich die Bewegungsabläufe. Die Kinder wirken träge und schwerfällig.
- Morgens sind die Kinder auffällig steif. Sie brauchen länger zum Anziehen, kommen schlecht die Treppe herunter oder haben Schwierigkeiten eine Tasse zu halten oder ein Brot zu schmieren. Die Morgensteifigkeit kann Minuten bis Stunden anhalten.
- Stärkere Gelenkbelastungen versuchen die Kinder zu meiden. Kleinkinder wollen beim Spazierengehen wieder getragen werden, was oft als Faulheit verkannt wird. Sind die Kiefergelenke erkrankt, bevorzugen die Kinder leicht zu kauende Speisen, meiden Brotrinde oder Fleisch.
- Der Schmerz bewirkt einen unruhigen Schlaf. Typisch ist ein kurzes Jammern oder Weinen, wenn die Kinder im Schlaf ihre Lage ändern.
- Bei der Entzündung mehrerer Gelenke ändern die Kinder ihr Verhalten. Sie können mit Freunden nicht mehr Schritt halten, ziehen sich zurück, hängen weinerlich am Rockzipfel, werden unglücklich oder aggressiv.
- Umgekehrt können vor allem Schulkinder über heftige Schmerzen jammern, ohne dass Gelenke geschwollen sind. Das ist bei einer rheumatischen Entzündung der Sehnen- oder Bänderansätze am Knochen der Fall. Charakteristisch sind Fersen- oder Knieschmerzen, verbunden mit einem ungewöhnlichen Bewegungsmuster. Die Gelenke sind normal beweglich. Es findet sich ein umschriebener Druckschmerz. Die Sehnenansatzschmerzen werden leicht als psychisch bedingt fehlgedeutet.
- Rückenschmerzen im Gesäßbereich oder an der unteren Wirbelsäule können bei älteren Kindern im Verlauf oder schon zu Beginn im Vordergrund stehen. Sie treten nach langem Sitzen in der Schule oder beim Autofahren auf.
Merke: Kinder aller Altersgruppen können an chronischem Rheuma erkranken. Eine frühzeitige Diagnose verbessert die Chancen für eine erfolgreiche Behandlung. |
Deutsches Zentrum für Kinder- und Jugendrheumatologie
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