JOHANNES-PETER HAAS

Ärztlicher Direktor, Geschäftsführer

Telefon: 08821 -701 117 (Sekretariat)
haas.johannes-peter@rheuma-kinderklinik.de
 

RENATE HÄFNER

Leitende Oberärztin

Telefon: 08821 - 701 117
haefner.renate@rheuma-kinderklinik.de
 

Ärztliche Therapie

Rheumakranke Kinder benötigen Medikamente gegen die Entzündung in den betroffenen Gelenken und Organen. Die Medikamente helfen dem körpereigenen Abwehrsystem dabei wieder ins Gleichgewicht zu finden. Die Medikamente sollen den rheumatischen Krankheitsprozess zur Ruhe bringen. Rechtzeitig und fachgerecht eingesetzt helfen sie bleibende Schäden an Gelenken, Augen oder inneren Organen zu verhindern. Aber auch die Begleiterscheinungen einer rheumatischen Erkrankung, wie Fieber, Schmerzen oder Entzündungen an Haut und Schleimhäuten können eine medikamentöse Therapie erforderlich machen.

Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)
Diese Medikamente wirken schmerzlindern, entzündungshemmend und fiebersenkend. Sie werden eingesetzt, um die Symptome der rheumatischen Erkrankung zu behandeln. Zu diesen Medikamenten gehören z.B. Naproxen, Ibuprofen, Diclofenac,  und Meloxicam. Die sog. COX II-Hemmer wie Celebrex, Arcoxia und andere sind für Kinder nicht zugelassen und sollten deshalb nur in Ausnahmefällen angewandt werden.

NSAR sind insgesamt sichere und verträgliche Medikamente. Als unerwünschte Wirkungen der NSAR muss man vor allem auf Beschwerden im Magendarmbereich achten (Übelkeit, Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit, Durchfall oder Verstopfung). Selten treten  Kopfschmerzen, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen noch seltener Verhaltensänderungen wie Depressivität oder Aggressivität auf.

Basismedikamente
Wenn die rheumatische Entzündung durch NSAR nicht zur Ruhe gebracht werden kann, sind sogenannte Basismedikamente erforderlich. Diese wirken regulierend auf das Immunsystem, welches ursächlich für die Entstehung der rheumatischen Erkrankung verantwortlich ist. Basismedikamente benötigen Wochen oder gar Monate bis ihre Wirkung zum Tragen kommt. 

Methotrexat (MTX) ist seit vielen Jahren die kinderrheumatologische Standardtherapie. Es wirkt sehr gut und hat bei nur wenigen Patienten ernste Nebenwirkungen. Der größte Vorteil ist jedoch daß wir über 70 Jahre Erfahrung in der Behandlung mit MTX haben und alle Langzeitfolgen kennen. Andere Basismedikamente können eingesetzt werden bei Unverträglichkeit oder fehlender Wirkung von Methotrexat. Es gibt auch einzelne Formen rheumatischer Erkrankungen bei denen ganz bestimmte Basismedikamente besonders geeignet sind. Gegebenenfalls können auch verschiedene Basismedikamente kombiniert werden.

Zu den gängigen Basismedikamenten gehören die Antimalariamittel Chloroquin (Resochin) bzw. Hydroxychloroquin (Quensyl), das Sulfasalazin (Azulfidine), der Immunmodulator  Methotexat (MTX), sowie die Immunsuppressive Azathioprin (Imurek), Ciclosporin (Sandimmun, Immunosporin), Leflunomid (Arava) und die Mycophenolsäure (CellCept, Myfortic).

Unerwünschte Wirkungen der Basismedikamente können vielfältig sein. Deshalb sind eine gute ärztliche Aufklärung und regelmäßige klinische Untersuchungen und Laborkontrollen erforderlich.

Biologika
Dies sind neu entwickelte Therapeutika, die sich gezielt gegen körpereigene Signalstoffe oder Signalübertragungsstrukturen des Immunsystems richten und so Vorgänge beeinflussen, welche ursächlich an der rheumatischen Erkrankung beteiligt sind. Die wichtigsten Medikamente sind die TNF?-Blocker Etanercept (Enbrel®), und Adalimumab (Humira®). Etanercept ist zugelassen für Kinder mit Polyarthritis und erweiterter Oligoarthritis ab 2 Jahre sowie für Patienten mit Enthesitis assoziierter Arthritis und Psoriasisarthritis ab 12 Jahre. Für Adalimumab gilt die Zulassung für den polyartikulären Verlauf einer JIA ab 2 Jahre, sowie die Entesitis-assoziierte Unterform ab dem 12. Und chronisch entzündliche Darmerkrankungen ab dem 6. Lebensjahr. Infliximab (Remicade®) ist ein weiterer TNF?-Blocker, der bei JIA und auch Uveitis gut wirkt, für Kinder jedoch nur für die Behandlung einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung zugelassen ist. Wenn die Therapie mit einem TNFalpha- Blocker nicht ausreichend wirkt, stehen als zugelassene Präparate Abatacept (Orencia®) für Kinder mit Polyarthritis ab 6 Jahre sowie Tocilizumab (RoActemra®) ab 2 Jahre zur Verfügung.

Die TNF?-Blocker sind bei systemischen Verläufen mit Fieber, Hautausschlag und Organbeteiligung weniger effektiv. Für diese Krankheitsform erwiesen sich die Interleukin 1- Antagonisten Anakinra (Kineret®)  und Canakinumab (Ilaris®)  oder auch der Interleukin 6- Antagonist Tocilizumab (RoActemra®)  als wirksam. Canakinumab und Tocilizumab sind für Kinder mit systemischer JIA ab 2 Jahre zugelassen. Weitere Biologika sind teilweise bereits auf dem Markt bzw. in den nächsten Jahren zu erwarten. Die Zulassungen dieser Therapien für Kinder mit Arthritis sind abhängig von größeren internationalen Studien. Bei (noch) nicht zugelassenen Medikamenten muss ein Antrag an die Krankenkasse für die Kostenübernahme gestellt werden. Bei den Biologika ist dieses Verfahren relevant, da es sich um sehr teure Medikamente handelt mit jährlichen Behandlungskosten von 20 000 Euro und mehr.

Das Hauptproblem der Biologika ist die erhöhte Infektanfälligkeit bzw. das mögliche Entstehen schwerer Infektionen wie Tuberkulose, Osteomyelitis, Sepsis etc.. Auch ist nicht völlig auszuschliessen, dass das Risiko für bestimmte maligne Erkrankungen (v.a. Lymphome) bei bei der Langzeitanwendung zunehmen könnte.

Die Therapie sollte nur durch erfahrene Ärzte begonnen werden. Die Routinekontrollen kann dann jedoch auch der Kinder- oder Hausarzt durchführen..

Kortisonpräparate
Kortison ist ein stark entzündungshemmendes Medikament mit Sofortwirkung. Es kann deshalb für Notfälle eingesetzt werden wie starke Gelenkschmerzen, schwere Augenentzündung oder bedrohliche Herzbeteiligung. Bei Anwendung von höheren Dosen (> 0,2mg/kg Körpergewicht Prednison täglich) über Wochen , Monate oder gar Jahre entstehen schwerste Nebenwirkungen wie Kleinwuchs, Veränderung der Körperproportionen (Cushing), Osteoporose, Bluthochdruck und viele andere. Kortison sollte deshalb bei rheumakranken Kindern nur kurzfristig eingesetzt werden bzw. bevorzugt lokal an Gelenken oder Augen zur Anwendung kommen.

Lokale Kortisoninjektionen
Wenn nur wenige Gelenke betroffen sind, oder bei Polyarthritis einzelne Gelenke im Vordergrund stehen, können intraartikuläre Injektionen mit Kortison rasche Besserung bringen. Auch entzündete Sehnenscheiden oder Sehnenansätze können injiziert werden. Die Kinder müssen für den Eingriff ausreichend sediert werden.

Wichtig ist eine konsequente Nachbehandlung mit Entlastung des injizierten Gelenkes für 3 Tage, Teilbelastung für 2 bis 4 Wochen und anfangs tägliche Krankengymnastik, bis zum Erreichen einer freien Gelenkfunktion.

Medikamentöse Therapie der Iridozyklitis
Die Ersttherapie erfolgt mit kortisonhaltigen Augentropfen bzw. –salben. Besteht die Gefahr einer Verklebung (Synechierung) muss außerdem die Pupille mit Augentropfen weitgestellt werden. Sind bereits Synechien eingetreten, können diese in den ersten Tagen und Wochen oft noch gelöst werden durch hochdosierte systemische Kortisongaben und/ oder eine lokale Sprengkur.

Wenn die Iridozyklitis durch lokale Therapie nicht ausreichend beherrscht werden kann, ist der Einsatz von Immunsuppresiva angezeigt. Bei sehr schweren Fällen können auch die Biologika Adalimumab (Humira®), Infliximab (Remicade®) oder  Abatacept (Orencia®) eingesetzt werden.

WICHTIG:

  • Auch die besten Medikamente helfen nur, wenn sie von erfahrenen Ärzten eingesetzt werden. Suchen sie unbedingt einen Kinderrheumatologen auf, wenn ihr Kind an einer rheumatologischen Erkrankung leidet.
  • Die Therapie von Rheumaerkrankungen im Kindes- und Jugendalter ist Teamarbeit. Medikamente ersetzen keine funktionelle Therapie, z.B. mit Krankengymnastik u.a.

Wenn sie medizinische Fragen haben können Sie gerne im Forum unserer Internetseite an erfahrene Ärzte stellen.