Rheuma und Pflege

Virtueller Klinikrundgang - 10 Panoramabilder mit vielen Informationen

Patientenzimmer

Hier  startet der neue virtuelle Klinikrundgang. Mit zehn brillanten 360-Grad-Panoramabildern werden Sie durch ausgewählte Bereiche unserer Klinik geführt. Patienten und Angehörige können das Deutsche Zentrum für Kinder- und Jugendrheumatologie sowie das Zentrum für Schmerztherapie junger Menschen jetzt auch virtuell kennenlernen. Die zehn Auswahl-Panoramabilder enthalten prägnante Informationstexte und an ausgewählten Stellen Musik, einen Video-Clip über das Therapiekonzept und Sprachinformationen. Wir wünschen Ihnen viel Freude bei dem virtuellen 'Spaziergang' oder besser gesagt unserem neuen virtuellen Klinikrundgang. 

Gemäß der Charta für Kinder im Krankenhaus (= EACH-Charta, European Association for Children), Artikel 8 gilt: “Kinder sollen von Personal betreut werden, das durch Ausbildung und Einfühlungsvermögen befähigt ist, auf die körperlichen, seelischen und entwicklungsbedingten Bedürfnisse von Kindern und ihren Familien einzugehen.”

Im Mittelpunkt der Behandlung im DZKJR steht das rheumakranke Kind in seiner Individualität.

Pflegende müssen die wichtigsten rheumatischen Erkrankungen, sowie deren Verläufe und Therapiemöglichkeiten kennen. Sie müssen wissen, mit welchen Funktionseinschränkungen zu rechnen ist, wie man sie kompensieren kann, inwieweit man helfen muss, oder noch Hilfe zur Selbsthilfe leisten kann.

Die Fachkräfte für Kinderkrankenpflege sind als einzige Berufsgruppe 24 Stunden und an jedem Tag mit dem Patienten im Kontakt! 

Die pflegerische Therapie beinhaltet folgende Aufgabenbereiche:

  • Grund- und Behandlungspflege im Sinne des Pflegeprozesses
  • Sicherstellung der angeordneten Diagnostik und Therapie
  • Beratung, Gespräche und Betreuung
  • Sicherung und Weiterentwicklung der Pflegequalität

Grund- und Behandlungspflege im Sinne des Pflegeprozesses

Grund- und Behandlungspflege im Sinne des Pflegeprozesses

Die systematische, an den ganzheitlichen Bedürfnissen des Patienten orientierte und laufend angepasste Pflege wird als Pflegeprozess bezeichnet. Dabei entwickelt sich zwischen dem Patient und dem Pflegenden eine Beziehung, welche auf ein gemeinsames Ziel ausgerichtet ist. Der Pflegeprozess ermöglicht eine organisierte und ganzheitlich orientierte, individuelle Pflege. Es handelt sich dabei um einen so genannten Regelkreislauf, welcher sich in dem Sechs-Phasen-Modell von Fichter/Meier darstellt. Eine systematische und nachvollziehbare Pflegeplanung gewährleistet eine individuelle Pflege für den Patienten und sichert die Qualität der Pflege.

Wir arbeiten nach dem konzeptionellen Modell “Aktivitäten und existenzielle Erfahrungen des Lebens (AEDL)” von Prof. Dr. Krohwinkel, welches in 13 Bereiche gegliedert ist. Mit Hilfe der AEDL`s kann man überprüfen, in welchen Bereichen individueller Pflegebedarf eines Patienten besteht.

Die Pflegefachkräfte beginnen den Pflegeprozess mit der Informationsammlung = Erstellung einer Pflegeanamnese. Auf dieser Grundlage erstellen sie eine Pflegeplanung, in welcher die aktuellen und individuellen Pflegeprobleme und Ressourcen des Patienten erfasst und dokumentiert werden. Daraus ergeben sich dann die pflegerischen Maßnahmen mit genauer Zielsetzung zur Gesundung oder Gesunderhaltung des Patienten. Eine regelmäßige Evaluation stellt sicher, dass der Pflegeprozess kein statisches Gebilde ist, sondern ständig an die jeweils aktuelle und individuelle Situation des jeweiligen Patienten angepasst wird.

Im DZKJR ist die tägliche Pflege als Bereichspflege organisiert. Diese orientiert sich an dem Bedürfnis des Patienten nach einem festen Ansprechpartner pro Schicht (nach Möglichkeit auch über mehrere Tage hintereinander), sowie dem Bedürfnis der Pflegenden, den Patienten ganzheitlich und verantwortungsbewusst zu pflegen und zu betreuen.

Bei der Durchführung der täglichen Körperpflege (Grundpflege) reicht das Handlungsspektrum der Pflegefachkraft vom Bereitstellen der benötigten Pflegeutensilien, über Anleitung und Motivation bis hin zur teilweisen oder vollständigen Übernahme dieser Pflegetätigkeit.

Ein wichtiger Teil der pflegerischen Tätigkeit besteht in der Krankenbeobachtung und Wahrnehmung der physischen und psychischen Verfassung der Patienten. Die Pflegefachkraft nimmt im Tagesverlauf Veränderungen am Patienten in Bezug auf die Gelenksituation (Beweglichkeit, Schonhaltungen, Morgensteife, Überwärmung, Schwellung) und auf Schmerzen wahr. Außerdem erfasst sie Symptome möglicher Therapienebenwirkungen wie z. B. Übelkeit, Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen, Magen- Darmbeschwerden, Hautausschläge und -veränderungen, Kopfschmerzen, vermehrte Müdigkeit, Wesensveränderungen, sowie Reaktionen auf die physikalischen Therapien.

Ein weiterer Beobachtungsparameter ist die Stimmungslage des Patienten. Durch den intensiven und zum Teil schon langjährigen Kontakt entsteht oftmals ein gutes Vertrauensverhältnis, welches es dem Patienten ermöglicht, sich mit seinen Sorgen und Nöten jederzeit anzuvertrauen. Umgekehrt verhilft dies der Pflegekraft, auch die subtilen und nonverbalen Signale des Patienten zu erkennen und darauf einzugehen.

Verschiedene Vitalzeichenkontrollen werden nach ärztlicher Anordnung durchgeführt. Damit alle Berufsgruppen im therapeutischen und pflegerischen Team über alle Beobachtungen, Befunde, Messwerte und andere wichtige Details bescheid wissen, werden sämtliche Informationen schriftlich in einem extra dafür vorgesehenen Dokumentationssystem fixiert.

 

 

Sicherstellung der angeordneten Diagnostik und Therapie

Sicherstellung der angeordneten Diagnostik und Therapie

Zur Differenzierung unterschiedlicher Krankheitsbilder aus dem rheumatischen Formenkreis ist eine umfangreiche Diagnostik nötig.

Die Pflegefachkraft kennt die diagnostischen Maßnahmen, bereitet sie vor und informiert den Patienten. Zudem organisiert und assistiert sie bei der Gewinnung verschiedenster Untersuchungsmaterialien und leitet diese an das entsprechende Labor weiter.

Um dem Kind Sicherheit zu vermitteln und um die Aufsichtspflicht zu gewährleisten, begleitet die Pflegefachkraft den Patienten zu verschiedenen Untersuchungen in der Klinik und in auswärtige Arztpraxen und Abteilungen.

Die angeordnete medizinische Therapie beinhaltet orale Medikamente, Augentropfen, Salben und Tinkturen, Injektionen und Infusionen, Suppositorien, medizinische Bäder und Inhalationen.

Diese werden von der Fachkraft für Kinderkrankenpflege vorbereitet und verabreicht. Dabei berücksichtigt sie die exakte Dosierung, korrekte Verabreichungszeit und eine altersgerechte Verabreichungsform. Die Pflegefachkraft achtet auf mögliche Nebenwirkungen der angeordneten medizinischen Therapie und reagiert entsprechend.

Eine weitere wichtige Aufgabe der Fachkraft für Kinderkrankenpflege ist es, den Patienten im Umgang mit seinen verschiedenen Medikamenten individuell zu beraten, anzuleiten und die fachgerechte Anwendung zu schulen. Damit wird die Eigenverantwortung und Selbständigkeit des Patienten gefördert.

Die angeordneten physikalischen Maßnahmen zur Behandlung von Schmerzen, Gelenk-entzündung und Bewegungseinschränkung werden von den Pflegefachkräften auf der Station mehrfach täglich am Patient durchgeführt und auf ihre Wirksamkeit hin überwacht. Dazu gehören das Anlegen von Alkohol-Salbenwickeln, Eisbeuteln und Wärmepackungen auf die betroffen Gelenke oder Muskelbereiche.

Das Tragen der angeordneten Lagerungs- und Funktionsschienen, sowie der Gebrauch von Münster-Pferdchen, Dreirädern oder Therapie-Sitzrollern wird von den Fachkräften für Kinderkrankenpflege überwacht, bzw. wird der Patient dazu angehalten. Daneben gilt es, Fehlstellungen der Gelenke durch regelmäßiges Anwickeln von Gipsschienen zu korrigieren.

Da die Einsicht in alle diese behandlungspflegerischen Maßnahmen bei den Patienten nicht immer vorhanden ist und diese zum Teil zeitaufwändig, unangenehm oder sogar schmerzhaft sind, benötigt die Kinderkrankenpflegefachkraft viel Geduld, Einfühlungsvermögen, Überzeugungs-kunst, Verständnis und Einfallsreichtum um den angeordneten Behandlungsplan einhalten zu können.

Besondere Eingriffe, wie zum Beispiel intraartikuläre Punktionen oder Injektionen werden von der Pflegefachkraft organisiert und vorbereitet, sie begleitet den Patienten in den Eingriffsraum und übernimmt die anschließende engmaschige Überwachung und Versorgung des Patienten laut Pflegestandard. Diese für den Patienten oftmals ängstigende und besondere Situation erfordert ein großes Maß an Empathie und Zuwendung durch die Kinderkrankenpflegefachkraft.

Auch die Organisation und Koordination eines reibungslosen Tagesablaufes mit Therapien, Diagnostik, Visiten und Schule, sowie das Schaffen von Ruhephasen für den Patienten, liegen in der Verantwortung der Pflegefachkräfte.

Die Bevorratung, Bestellung und sachgerechte Lagerung aller benötigter Medikamente und Verbrauchsmaterialien gehört ebenso zum Aufgabengebiet wie ggf. die umweltgerechte Entsorgung. Diese Tätigkeit erfordert genaues Fachwissen und wirtschaftliches Denken.

Pflegerische Beratung, Gespräche und Betreuung

Pflegerische Beratung, Gespräche und Betreuung

Grundlage des Garmischer Therapiekonzeptes ist der ganzheitliche Blick auf das Kind und den Jugendlichen als eigenständige Persönlichkeit. In einer vertrauensvollen Atmosphäre, in der wir den Patienten, seine Beschwerden und sonstigen Anliegen ernst nehmen, sind die Fachkräfte für Kinderkrankenpflege ständige Ansprechpartner und Vermittler für den Patienten, seine Angehörigen und allen an der Therapie beteiligten.

Mit viel Einfühlungsvermögen und pädagogischen Fähigkeiten geht die Pflegefachkraft täglich auf den Patienten ein, indem sie zuhört, ihn ernst nimmt, ihn ermutigt, versucht Ängste zu nehmen und motiviert.

Jedem neuen Patienten zeigt die Fachkraft für Kinderkrankenpflege die Station und alle wichtigen Anlaufstellen in der Klinik, sie erklärt den Stationsablauf und verweist auf die Hausordnung. Sie ist bei der Integration auf Station behilflich, gibt Anregungen zur Beschäftigung und weist auf die verschiedenen Freizeitangebote hin. Patienten, die sich alleine fühlen oder Heimweh haben, spendet sie Trost, spielt mit ihnen oder liest vor.

Die Kinderkrankenpflegefachkraft ist für ihre Patienten da! 

Auch die Eltern und Angehörigen der Patienten finden in uns immer einen Ansprechpartner für ihre Unsicherheiten, Fragen und sonstigen Anliegen. Für diesen, wie wir meinen notwendigen und wichtigen Aspekt unserer Arbeit, nehmen sich die Pflegefachkräfte gerne immer wieder ausreichend Zeit.

Sicherung und Weiterentwicklung der Pflegequalität

Sicherung und Weiterentwicklung der Pflegequalität

Im Rahmen unseres Qualitätsmanagements definiert unsere Klinik immer wieder Qualitäts-Ansprüche, welche in konkreten Beschreibungen, wie zum Beispiel den Pflegestandards festgehalten sind. Dies ermöglicht den Pflegenden nach allgemein gültigen Normen zu pflegen und zu handeln, um somit die Qualität der Pflege zu sichern. Zur kontinuierlichen Qualitätsverbesserung sind Pflegefachkräfte in interdisziplinären Qualitätszirkeln aktiv.

Eine stetige Bereitschaft, das Fachwissen und -können auf einem hohen Niveau zu halten, ist unbedingte Vorraussetzung für die Berufsqualifikation. Die Pflegefachkräfte nutzen viele verschiedene Möglichkeiten um sich fortzubilden, Angebote sind u.a. die „Werdenfelser Schmerzkonferenz” und der regelmäßig wiederkehrende “Garmischer Rheumakurs”, die interdisziplinär über Diagnostik und Therapie bei Rheuma im Kindesalter weiterbilden und damit das Wissen der Pflegefachkräfte auf einem aktuellen Stand halten. Außerdem stehen Fachzeitschriften und Fachbücher zur Verfügung.

Pflegefachkompetenz wird in hohem Maße auch durch die Teilnahme an Visiten erworben und gefördert, wo die verschiedenen, an der Behandlung beteiligten, Berufsgruppen ihre Erfahrungen und Beobachtungen zu den verschiedenen Krankheitsformen und -verläufen einbringen.

Dieses Fachwissen wird kontinuierlich an neue und im Bezug auf rheumatische Erkrankungen unerfahrene Mitarbeiter im Pflegedienst weitergegeben.