10 Fragen über über Kinderrheuma / Was ist Kinderrheuma?

1. Welche Arten von Rheuma gibt es bei Kindern?

Die häufigsten entzündlichen Rheumaformen sind:

  • Infektionsbedingtes Rheuma (reaktive Arthritis)
  • die juvenile idiopathische Arthritis (JIA)
  • Bindegewebsrheuma (Kollagenosen)
  • Blutgefäßrheuma (Vaskulitissyndrome)
  • Knochenrheuma (chronisch rekurrierende multifokale Osteomyelitis - CRMO)

 

Bei diesen unterschiedlichen Rheumaformen kann sich der Entzündungsprozess in mehreren Körperregionen abspielen, so dass je nach Krankheitsbild neben den Gelenken auch Augen, Haut, Muskeln, Knochen oder innere Organe erkranken können. (mehr Informationen).

2. Dürfen wir als Eltern weitere Kinder bekommen - ist Rheuma erblich?

Erbfaktoren spielen neben vielen anderen Faktoren zwar eine Rolle bei der Entstehung von rheumatischen Erkrankungen, es handelt sich jedoch nicht um „Erbkrankheiten“ im klassischen Sinne. Das Risiko, dass weitere Geschwister auch an Rheuma erkranken, ist nur wenig erhöht im Vergleich zur "Normalbevölkerung". Sie haben also allen Grund, sich auf ein gesundes Geschwister für Ihr rheumakrankes Kind zu freuen.

3. Rheuma beim Kind - in welchem Alter kann Rheuma denn auftreten?

Einzelne, sehr seltene rheumatische Erkrankungen können schon bei Neugeborenen auftreten. Die häufigste entzündlich-rheumatische Erkrankung im Kindesalter, diejuvenile idiopathische Arthritis , beginnt je nach Verlaufsform im Kleinkind-, Schul- oder Jugendlichenalter, manchmal bereits im 1. oder 2. Lebensjahr.

Kollagenosen und Vaskulitissyndrome können in jedem Lebensalter auftreten.

Definitionsgemäß wird eine rheumatische Erkrankung als „juvenil“(kindlich) bezeichnet, wenn sie vor dem 16. Geburtstag auftritt.

4. Wie kann man Rheuma beim Kind frühzeitig erkennen?

Die häufigste Rheumaform – die juvenile idiopathische Arthritis – beginnt mit Gelenkschwellungen und Schmerzen. Oft klagen die Kinder wenig über Schmerzen, nehmen jedoch gelenkschonende Fehlhaltungen ein, z.B. Beugestellung im Kniegelenk. Aufmerksame Eltern bemerken Veränderungen im Bewegungsmuster ihres Kindes, oft besteht vor allem morgens eine Steifigkeit in den Gelenken. Anhaltende Gelenkschmerzen können auch zu unruhigem Schlaf oder gar zu vermehrt aggressivem oder depressivem Verhalten führen.

Manchmal beginnt Rheuma beim Kind mit unklarem Fieber, das über Wochen anhält oder immer wieder auftaucht. Begleitende Hautausschläge, Gelenk- und Muskelschmerzen oder gar eine Erkrankung der inneren Organe sprechen für Rheuma.

Bei Kollagenosen und Vaskulitissyndromen sind oft Hautveränderungen die ersten Krankheitszeichen, häufig kombiniert mit unspezifischen Symptomen wie erhöhte Temperatur, Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Appetitlosigkeit.

5. Was ist die Ursache von Rheuma?

Bislang ist die genaue Ursache nicht bekannt. Man geht davon aus, dass durch ein unglückliches Zusammentreffen innerer Faktoren (Veranlagung, abnorm reagierendes Immunsystem) und äußerer Einflüsse (Infektionen, Unfälle, psychische Belastungen, Stress) Rheuma ausgelöst werden kann. Es gibt bisher keine Hinweise darauf, dass man den Ausbruch von Rheuma beim Kind durch vorbeugende Maßnahmen verhindern könnte.

6. Ist Rheuma bei Kindern heilbar?

Da die Ursache von Rheuma bisher nicht vollständig bekannt und wahrscheinlich auch vielfältig ist, gibt es noch keine Medikamente, die komplette Heilung versprechen. Durch die heute verfügbaren Therapiekonzepte läßt sich jedoch in den meisten Fällen ein gutes Ergebnis erzielen. Rheuma im Kindesalter kann jederzeit wieder zum Stillstand kommen, bei frühzeitiger und konsequenter Behandlung meist auch ohne bleibende Schäden.

7. Welche Behandlung wird empfohlen?

In der Regel ist ein "mehrdimensionales" Behandlungskonzept wie das Garmischer Behandlungskonzept, das einen ganzheitlichen Therapieansatz verfolgt, zu empfehlen.

8. Ist die Behandlung nicht schlimmer als die Erkrankung selbst - siehe Beipackzettel?

Unter der Voraussetzung, dass die Behandlung durch spezialisierte Kinderrheumatologen ausgearbeitet und überwacht wird, ist das Risiko von bleibenden Schäden durch die medikamentöse Therapie gering. Demgegenüber stehen bei chronisch fortschreitender Erkrankung mögliche Schäden an Gelenken, Augen oder inneren Organen, die zu einer lebenslangen Behinderung führen können.

9. Ist es nicht sinnvoller, gerade bei Kindern "alternative" Behandlungsmethoden einzusetzen?

Alternative Therapien wie Homöopathie, Naturheilkunde, chinesische Medizin und viele andere sollten bei Kindern mit Rheuma genau überprüft werden. Meist sind sie teuer und wenn überhaupt nur niederschwellig wirksam. Sie sollten auf keinen Fall die wirksamen allopathischen Medikamente ersetzen. Durch Hoffen auf eine „Wunderheilung“ geht manchmal wertvolle Therapiezeit verloren und der Zeitpunkt für ein gutes Ergebnis ohne bleibende Schäden verstreicht.

Alternative Therapien können auf der anderen Seite zur allgemeinen Gesundung beitragen, eventuell auch die rheumatische Entzündung oder unerwünschte Medikamentenwirkungen günstig beeinflussen. Die begleitenden Maßnahmen sollten mit dem behandelnden Kinderrheumatologen abgesprochen werden im Hinblick auf ihren sinnvollen Einsatz aber auch um unerwünschte Interaktionen zu vermeiden.

10. Welchen Einfluß hat die Ernährung?

Es gibt Nährstoffe, die eine Entzündung fördern – bei Rheuma also eher ungeeignet sind - und solche, die entzündungshemmend wirken. Zu den ungünstigen Nahrungsbestandteilen gehört die Arachidonsäure, die in tierischem Fett enthalten ist. Fleisch sollte deshalb nicht täglich auf dem Speiseplan stehen, fette Fleischsorten eher gemieden werden. Entzündungshemmende Fischöle dürfen dagegen z.B. in Form von (fettreichem) Fisch ruhig mehrmals pro Woche auf den Tisch kommen. Für eine ausreichende Versorgung mit Vitaminen und Spurenelementen sollten täglich Obst, Gemüse und Vollkornprodukte verzehrt werden.

Eine „rheumagerechte“ Ernährung für Kinder entspricht also der empfohlenen gesunden Ernährung für die ganze Familie. Von einseitigen Kostformen oder Diäten wird dagegen gerade bei Kindern und Jugendlichen dringend abgeraten. Es fehlen darin oft wichtige Bausteine für die körperliche und geistige Entwicklung eines Heranwachsenden.