26.04.2019

Rheuma-Sportstudie am Deutschen Zentrum für Kinder- und Jugenrheumatologie mit 1,77 Mio Euro gefördert

Beware-Studie zur Sportberatung für rheumakranke Kinder mit 1,77 Mio Euro durch Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschuss gefördert. Gemeinsames Projekt der Rheuma-Kinderklinik mit der Technischen Universität München (TUM)


Im Bewegungsanalyselabor: v.li. Prof. Dr. med. Johannes-Peter Haas (DZKJR) und Prof. Ansgar Schwirtz (TUM) beobachten den Gang einer jungen Patientin, am PC sitzt Sportwissenschaftler Matthias Hartmann

Bei der Kick-off-Veranstaltung des Beware-Projektes versammelten sich alle Beteiligten und Projektpartner im Bewegungsanalyselabor

Zukunftsweisendes Projekt mit dem Titel „Stellenwert der Bewegungsdiagnostik zur Förderung früher körperlicher und sportlicher Aktivität bei Kinderrheuma“ (Beware)

Hier finden Sie mehr Informationen auf unserer Homepage

„Es lebe der Sport“ heißt es ab Anfang Mai für viele rheumakranke Kinder und Jugendliche im DZKJR. In den nächsten vier Jahren werden unter der medizinischen Leitung von Prof. Dr. med. Johannes-Peter Haas ca. 200 neuerkrankte Rheumapatienten in einer groß angelegten Studie zurück in den Sport gebracht. „Trotz der verbesserten, vor allem medikamentösen, Therapie der letzten Jahre und dem häufig erteilten Sportverbot besteht für einen Teil der jungen Rheumapatienten das Risiko für Langzeitfolgen durch die Erkrankung. Mit dem Projekt Beware möchten wir genau diese Patientengruppe durch eine früheinsetzende Sportberatung unterstützen. So zeigt auch die internationale Studienlage, dass die meisten Patienten trotz Rheuma sicher Sport treiben können. “ - so der Ärztliche Direktor Professor Dr. med. Johannes-Peter Haas.

Die sportwissenschaftliche Leitung und gleichzeitig Antragsteller des beim Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschuss mit insgesamt 1,77 Mio € geförderten Projekts ist Prof. Dr. Ansgar Schwirtz von der Professur für Biomechanik im Sport der Technischen Universität München (TUM). „Seit 13 Jahren sammeln wir Erfahrungen in der Anwendung und Interpretation von biomechanischen Messmethoden. Vor allem mithilfe der dreidimensionalen Bewegungsanalyse konnten wir bereits vielfach Fehlstellungen frühzeitig erkennen und durch entsprechende Handlungsanweisungen Langzeitschäden am Bewegungsapparat der jungen Patienten verhindern“ - so Prof. Dr. Ansgar Schwirtz von der TUM. Mehr Informationen auch unter: www.sg.tum.de/biomechanik

In der Studie wird der einzelne Patient bis zu eineinhalb Jahre sportmedizinisch begleitet und an drei Zeitpunkten in einem hochmodernen, neu eingerichteten 3D Bewegungsanalyselabor untersucht. Mit den biomechanischen Untersuchungen, einem persönlichen Beratungsgespräch und einem Beratungstool soll in dem Projekt Kindern und Jugendlichen eine möglichst frühe Rückkehr in den sicheren Sport nach einer aktiven Erkrankung sowie eine fähigkeits- und belastungangepasste körperliche und sportliche Aktivität ermöglicht werden.

„Wir möchten anhand der Studie zeigen, dass eine individuelle Sportberatung auf Grundlage von biomechanischen Untersuchungen langfristig zu einer Kostenersparnis führt und damit Krankenkassen Kriterien aufzeigen, die die diagnostische Leistung und Intervention in den Leistungskatalog der Krankenkassen aufnehmen lässt“ (Prof. Dr. med. Johannes-Peter Haas). Nach erfolgreichem Studienabschluss soll behandelnden Kinderrheumatologen und Kinderärzten im deutschsprachigen Raum ein Beratungsinstrument an die Hand gegeben werden, um möglichst alle betroffenen Kinder und Jugendliche früh- bzw. rechtzeitig zum richtigen und sicheren Sport zu beraten, um so langfristige Einschränkungen zu verhindern.

Die beteiligten Projektpartner TUM, DZKJR, das aQua Institut für angewandte Qualitätsförderung, das Universitätsspital Basel, das Deutsche Rheuma-Forschungszentrum, die Soliance GmbH, die Deutsche Kinderrheuma-Stiftung als auch die Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK) treffen beim Kick-Off die letzten Absprachen, um einen reibungslosen Studienverlauf zu garantieren.

Beware-Studie zur Sportberatung für rheumakranke Kinder mit 1,77 Mio Euro durch Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschuss gefördert.

·       Sportberatungssoftware wird bundesweit für Kinderrheumatologen und Kinderärzte zur Verfügung gestellt

·       frühe und gezielte Sportteilnahme hilft rheumakranken Kindern und Jugendlichen ein altersentsprechendes Leben zu führen

3D-Bewegungsanalyse

Die 3D-Bewegungsanalyse an Europas größter Kinderrheuma-Fachklinik ist derzeit das einzige Labor in Deutschland, das sich speziell der 3-dimensionalen Erforschung funktioneller Bewegungen von Patienten mit JIA widmet. Über 1200 Bewegungsanalysen an Rheumapatienten wurden bisher durchgeführt. Die hier gewonnenen Daten dienen zur individuellen Diagnostik, als Basis zur allgemeinen Therapieplanung, für die Entwicklung gezielter Sport- und Fitnessprogramme sowie für wissenschaftliche Analysen.

Das zugrunde liegende Ziel jedes dieser Arbeitsbereiche ist, die Funktionalität rheumakranker Kinder und Jugendlicher weiter zu verbessern und die Alltagsbeschwerden zu minimieren.

 

Kinderrheuma

Kindliches Rheuma ist eine sogenannte Autoimmunerkrankung, die medizinisch als „juvenile idiopathische Arthritis“ (JIA) bezeichnet wird. Die entzündeten Gelenke verursachen den Kindern Schmerzen, so dass es zu Schonhaltungen kommt. Außerdem verändern sich die Gelenksflächen und –kapseln und damit die Gelenksbeweglichkeit. Das muskuläre Kräfteverhältnis an den betroffenen Gelenken verändert sich. Bei Kindern bilden sich in kurzer Zeit Fehlstellungen und Einschränkungen in der Alltagsfunktionalität aus. Die daraus resultierende zunehmende körperliche und sportliche Inaktivität führt zu langfristigen Defiziten in den (sport-)motorischen Fähigkeiten, zu einer verringerten Lebensqualität und zu weiteren psychosozialen Problemen. Diese können auch weiterbestehen, wenn die Gelenkentzündungen durch eine erfolgreiche medizinische Behandlung ausgeheilt sind. Deshalb sind neben der fachgerechten Behandlung mit Medikamenten, durch Krankengymnastik, und Ergotherapie auch aktiver Bewegungstherapie und Sport sehr wichtig.