Seite 4-5 - Jubilaeumsbroschuere 2012 DZKJR - SPZ

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Dass aber unsere Arbeit an den Kindern sich nicht in der Fürsorge für ihr leibliches Wohl erschöpfen möge, war uns
ein großes Anliegen. Die Krankenschwestern, Kindergärtnerinnen und Lehrerin bildeten eine frohe Gemeinschaft und
waren immer von neuem bestrebt, eine bewusst christliche und fröhliche Atmosphäre im Haus zu schaffen, in der sich
alles wohlfühlen sollte, ein ebenfalls sehr wichtiger Heilfaktor! Dass diesem Bestreben Erfolg geschenkt wurde, haben
wir oft dankbar erleben dürfen.
Manche Nöte haben uns in den langen Jahren begleitet. Eine der größten, sich immer wiederholenden, waren die
eingeschleppten Infektionskrankheiten, deren Bekämpfung die Raumnot große Schwierigkeiten bereitete. Eine ernste
Gefährdung war der Zugriff der nationalsozialistischen Partei, die das christliche Haus in ein Kinderlandverschickungs-
lager der NSDAP umwandeln wollte. Das Heim war schon beschlagnahmt und konnte der Inneren Mission nur durch
große Energie und Standhaftigkeit weiter erhalten werden. Als Folgeerscheinung der Kriegs- und Nachkriegszeit be-
kamen wir nach 1945 schwerere Fälle von Tuberkulose zugewiesen, die eine Umstellung des Genesungsheimes in
eine Heilstätte nötig machten. Wir nahmen auch vereinzelte Fälle von offener Tuberkulose auf, konnten das aber nur
vorübergehend tun, da es sich zeigte, dass die Isoliermöglichkeiten und auch die medizinischen Einrichtungen den
erhöhten Anforderungen auf die Dauer nicht gewachsen waren.
Nachdem wir 1950 Frau Dr. Elisabeth Stoeber als leitende Ärztin für unser Haus gewonnen hatten, wurden die Pläne,
die Heilstätte zu vergrößern und auf einen modernen Stand zu bringen, mit Energie betrieben. Durch die schwierige
finanzielle Lage der Inneren Mission schien die Durchführung dieser Pläne zuerst unmöglich. Um diese Zeit wurden
die McCloy-Gelder ausgeworfen, die einen Grundstock für neu einzurichtende Krankenanstalten bilden sollten. Eine
der Bedingungen, die sich an eine solche Spende knüpfte – es sollte ein neuer Gedanke zur Verwirklichung gebracht
werden – vereinigte sich gut mit dem Plan von Frau Dr. Stoeber, eine Klinik für rheumakranke Kinder aufzubauen,
die es im Bundesgebiet noch nicht gab. Der Gedanke, das im Landkreis noch fehlende Kinderkrankenhaus damit in
Verbindung zu bringen, lag nahe und zeigte noch eine Quelle auf zur Beschaffung von Baugeldern. Es gelang uns, aus
der McCloy-Spende 100.000 DM zu erhalten und die gleiche Summe als Zuschuss der Regierung für ein Kreiskinder-
krankenhaus zu bekommen. Mit diesem Grundstock konnten die Pläne einer Vergrößerung verwirklicht werden. Für
die Kinderheilstätte begann mit der Einweihung der Kinderklinik am 1. Juli 1952 eine neue Ära.
Hedwig Fürst, Hausmutter
Aus der Geschichte unseres Hauses in Garmisch-Partenkirchen
Ein historischer Rückblick auf die Jahre 1926 bis 1952
Erschienen im Gruß aus Rummelsberg vom 1. März 1956
Im Frühjahr 1926 begann der damalige Landesverein für Innere Mission, Nürnberg, seine Kinderarbeit in Garmisch-
Partenkirchen. Die ersten Anfänge wurden in einem gemieteten Haus am Ortsrand von Partenkirchen durchgeführt,
das von der Besitzerin bewirtschaftet wurde. Bald schon zeigte es sich, dass ein ersprießliches Arbeiten unter fremder
Bewirtschaftung nicht günstig sei. So wurde im Sommer 1926 von dem derzeitigen 1. Vereinsgeistlichen, Herrn Pfarrer
Gottfried Meinzolt, zusammen mit der Referentin für Kinder- und Jugendarbeit, Fräulein Elisabeth Nägelsbach, das
Haus Reim, abseits vom Ort mitten in Wiesen stehend, gekauft. Es war eine kleine Pension, etwa 1922 erbaut, die der
Besitzer zum Kauf anbot. Nach einigen baulichen Verbesserungen, die für den Kinderbetrieb nötig waren, zogen am
10. November 1926 die ersten Kinder ein, aus Nürnberg und Umgebung, Dortmund und Koblenz kommend. Mit ihnen
kam frisches Leben und Fröhlichkeit herein, und es ist seither kaum wieder still im Haus geworden. Am 29. November
war die offizielle Einweihungsfeier mit Vertretern der Ministerien, der Behörden und der Kirche.
„Kindergenesungsheim der InnerenMission“ hieß das Haus damals. Es stand von Anfang an imKampf gegen die Tuber-
kulose und hatte 50 Plätze. In der ersten Zeit entsandten kirchliche und städtische Fürsorgestellen für Tbc-gefährdete
Großstadtkinder, sie finanzierten auch die Kuren, die jeweils 6 Wochen dauerten, bei besonders bedürftigen Kindern
12 Wochen. Bald aber führten auch die Landesversicherungsanstalten Heilverfahren für Tbc-Hilusdrüsenerkrankun-
gen durch. Raumnot hat in unserem Haus fast immer eine Rolle gespielt; wenn sie zu drückend wurde, hat man durch
einen kleinen Anbau versucht, etwas abzuhelfen. 1929 wurde der erste Erweiterungsbau durchgeführt, 1935 und
1937 folgen weitere bauliche Vergrößerungen.
Hand in Hand mit den Anbauten ging die Erweiterung des Grundstücks. Der Geldmangel der Inneren Mission hat das
natürliche Wachstum der blühenden Arbeit sehr gehemmt. So mussten wir zusehen, wie die nach Süden angrenzen-
de Fläche, die uns fast unentbehrlich geschienen hatte, anderweitig angekauft und bebaut wurde. Zwei Liegehallen
waren im Grundstück errichtet worden. Die Durchführung der Liegekuren in der Gebirgsluft und reichliche Ernährung
der damals sehr oft unterernährten Kinder waren wichtige Heilfaktoren.
Sr. Hedwig Fürst