Seite 32-33 - Jubilaeumsbroschuere 2012 DZKJR - SPZ

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Das SPZ Garmisch-Partenkirchen wurde am 1. Januar 1997 eröffnet. Der Start war
sehr bescheiden in einem Raum der Kinderklinik, in dem bis zu diesem Zeitpunkt die
Nachuntersuchungen der Kinder im Rahmen der Bayrisch-Finnischen Entwicklungs-
studie stattgefunden hatten. Im 1. Quartal wurden 50 Scheine erwirtschaftet, heute
sind das etwa 500. Die Idee, für die Kinderklinik Garmisch-Partenkirchen - damals
in Trägerschaft der Rummelsberger Anstalten sowie aus Allgemeiner und Rheuma-
Kinderklinik bestehend - entwickelte sich aus der Situation, dass die Nachbetreu-
ung von Kindern, bei denen eine chronische gesundheitliche Problematik bestand,
oder die ein Risiko dafür mitbrachten, unbefriedigend war.
So konnten die Frühgeborenen und Risiko-Neugeborenen nur im Rahmen eines sta-
tionären Aufenthaltes für einen, anfangs sogar für zwei Tage betreut werden. Man
nannte das damals CP-Screening, gemeint war damit ein Untersuchungsprogramm,
das darauf abgestellt war, die Entwicklung einer Cerebralparese bei den Kindern früh-
zeitig zu entdecken. Es erfolgte dann eine Umbenennung in „Entwicklungsneurologi-
sche Untersuchung“ (ENU), da zwar die Entwicklung einer Cerebralparese ein ganz ent-
scheidend wichtiger Punkt bei der Nachuntersuchung entsprechend risiko-behafteter
Neugeborener ist, beileibe aber nicht der einzige.
Die Kinder, die im Rahmen einer Epilepsie eine kontinuierliche Nachbetreuung nach dem
stationären Aufenthalt, entsprechender Diagnostik und Ersteinstellung einer Medikation
benötigten, konnten ebenfalls nur im Rahmen einer stationären Ein-Tages-Aufnahme
hier wieder vorgestellt werden. Darüber hinaus bestand in diesem Rahmen nur die Mög-
lichkeit, eine Nachbetreuung mit medizinisch-ärztlichem Schwerpunkt anzubieten.
Das interdisziplinäre Team im Sozialpädiatrischem Zentrum
Sozialpädiatrisches
Zentrum
Daraus ergab sich die Notwendigkeit, nach Möglichkeiten zu suchen, eine ambu-
lante und über den medizinischen Bereich hinausgehende Betreuung anzubieten.
Dafür bot das Konzept der Sozialpädiatrischen Zentren ideale Voraussetzungen, da
die Rheuma-Kinderklinik schon damals nach einem Therapiekonzept arbeitete, das
die Möglichkeit bot, chronisch kranke Kinder interdisziplinär zu behandeln. Damit
war eine weitere wichtige Voraussetzung gegeben bis dahin, dass es dadurch mög-
lich war, die Arbeit im SPZ mit nur einem Team zu beginnen. Ein weiterer wichtiger
Baustein war die Tatsache, dass hier in Garmisch-Partenkirchen modellhaft seit dem
Bestehen der Interdisziplinären Frühförderstelle, dem Kinderzentrum Garmisch-
Partenkirchen (in Trägerschaft von SOS-Kinderdorf), eine Kooperation mit der Klinik
vereinbart worden war, die eine regelmäßige, entwicklungsneurologische/neuropä-
diatrische Konsiliartätigkeit eines Arztes der Kinderklinik vorsah.
An dieser Stelle müssen die großen Verdienste von Professor Truckenbrodt erwähnt
werden, als entscheidender Mitinitiator der Gründung einer Frühförderstelle hier im
Landkreis mit dieser oben beschriebenen modellhaften Konstruktion und ebenso das
von ihm entwickelte interdisziplinäre Behandlungskonzept für die rheumakranken
Kinder und Jugendlichen. Damit waren beste Voraussetzungen gegeben, sich an die
Beantragung eines Sozialpädiatrischen Zentrums zu wagen. Allerdings gab es dabei
noch viele andere Hürden, da damals bundesweit davon ausgegangen wurde und
dies auch von der Planung her so zu Grunde gelegt wurde, dass pro einer Million
Einwohner ein SPZ notwendig sei und dieser Einzugsbereich hier in keinster Weise
dargestellt werden konnte.
Darüber hinaus gibt es hier in Garmisch-Partenkirchen Richtung Süden kein „Hin-
terland“ und es musste bei der Beantragung ja der vorgegebene Weg über den Zulas-
sungsausschuss der Kassenärztlichen Vereinigung und die Krankenkassen gegangen
werden. Auch kostete es einige Überzeugungskraft, die Rummelsberger Anstalten
dazu zu bringen, den Antrag auf eine Ermächtigung als Institutsambulanz nach §
119 SGB V zu stellen. Letztendlich ist dies aber alles gelungen und es kam im SPZ zu
einer raschen Steigerung der Zahl der Patienten; bald wurden auch viele Kinder und
Jugendliche überwiesen, die zuvor nicht stationär in der Allgemeinen Kinderklinik
aufgenommen waren. Die Schwerpunkte bildeten sich wie geplant in den Bereichen
der Nachsorge von Früh- und Risikoneugeborenen, in der Neuropädiatrie mit einem
Schwerpunkt Epilepsie, dann aber auch zur Abklärung und teilweise auch Therapie und