Seite 18-19 - Jubilaeumsbroschuere 2012 DZKJR - SPZ

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Abbildung 1: Vom Schmerz zur Bewegungsstörung: Der Teufelskreis bei der JIA
Die Erfahrung, an einer chronischen Erkrankung zu leiden, und die aus der Bewe-
gungsstörung resultierende gestörte motorische Entwicklung können emotionale
und psychosoziale Defizite bedingen. Die JIA ist keine auf das Immun- und/oder
muskulo-skelettale System beschränkte Erkrankung (siehe Abb. 2). Schließlich müs-
sen auch bei der schulischen und der Berufsausbildung der betroffenen Patienten
individuelle Konzepte gefunden werden.
Die Kombination der verschiedenen therapeutischen Notwendigkeiten gelingt in
einem ambulanten Versorgungssystem zumeist gut, setzt jedoch einen hohen Auf-
wand an organisatorischen Absprachen bei den beteiligten Therapeuten und an
Zeit bei den betroffenen Familien voraus. Bei schweren Verläufen ist dies häufig
im Alltag nicht zu leisten. Daher wurden in einigen Schwerpunktkliniken Konzep-
te entwickelt, welche die verschiedenen therapeutischen Erfordernisse miteinander
kombinieren.
Initial zwingen Entzündung und Schmerz die Kinder, das betroffene Gelenk nur
noch in einer Schonhaltung zu benutzen (siehe Abbildung 1). Aufgrund der großen
Plastizität des kindlichen Skelettsystems resultiert hieraus rasch eine Fehlhaltung
mit dauerhaften Gelenkskontrakturen. Dies zwingt die Kinder in einen Teufelskreis
immer stärker akzentuierter Gelenksfehlbelastungen, der sich auch ohne eine fort-
bestehende Arthritis fortsetzen kann. Schon seit vielen Jahren ist daher die Physio-
therapie neben einer effizienten medikamentösen Therapie ein fester Bestandteil
einer erfolgreichen Behandlung der JIA.
I 19 I
I 18 I
Schmerz
Schwellung
Arthritis
Schonhaltung
Störung Muskelgleichgewicht
Lockerung Kapsel-
Bandapparat
Permanente Fehlbelastung
oder Fehlhaltung
Fixierte Deformität
Kontrakturen
Achsenfehlstellungen
komplexen Störung der Entwicklung
Abbildung 2: Schichtmodell JIA – vom entzündeten Gelenk zur