10 Fragen über Physiotherapie

1. Lässt sich die Krankengymnastik erlernen, um sie selber durchzuführen?

Die krankengymnastische Behandlung sollte von einem erfahrenen Physiotherapeuten übernommen werden. Für die tägliche Behandlung zuhause kann dieser den Eltern oder dem Jugendlichen je nach Behandlungsschwerpunkt einzelne Übungen zeigen und mit ihnen eintrainieren. Einmaliges Zuschauen ist hierfür keinesfalls ausreichend.

 

2. Kann man die Krankengymnastik falsch machen?

Zu intensive oder falsche Krankengymnastik kann einem rheumatisch entzündeten Gelenk schaden.

Es darf keinesfalls über die Schmerzgrenze hinweg bewegt werden, da:

  • der Schmerz eine Signalwirkung hat.
  • sich ansonsten die Schmerzen und die Schonhaltung verstärken.
  • die muskuläre Gegenspannung das Verbessern der Beweglichkeit verhindert.
  • gerade kleine Kinder das Vertrauen in den Therapeuten verlieren und sich nicht mehr anfassen lassen.
  • die Schmerzreaktion nach heutigen Kenntnissen die Entzündung verstärken kann.

Die Schon- / Fehlhaltung darf sich durch die Therapie nicht verstärken, v. a. aktive, muskelaufbauende Übungen bergen diese Gefahr. Gezielte Übungsauswahl und gute Korrektur sind daher wichtig.

3. Wie oft und wie lange sollte die Krankengymnastik durchgeführt werden?

Die Häufigkeit und die Dauer der Krankengymnastik ist abhängig von der Anzahl und der Bewegungseinschränkung betroffener Gelenke.

Ausschlaggebend ist auch die häusliche Situation:

  • Können die Eltern die Krankengymnastik teilweise lernen und täglich durchführen?
  • Mit wie viel Aufwand ist der Besuch beim Krankengymnasten verbunden?

Erst wenn die volle Funktion und die Achsen der betroffenen Gelenke wieder hergestellt sind, sollte die regelmäßige krankengymnastische Behandlung beendet werden.

4. Kann das Kind / der Jugendliche die Krankengymnastik auch alleine machen?

Jugendliche suchen in der Regel die Unabhängigkeit von den Eltern. Daher ist es sinnvoll, dass Jugendliche mit dem Physiotherapeuten je nach Befund wenige, aber gezielte Übungen eintrainieren. Das heißt, sie müssen die Übungen ohne Ausweich- und Kompensationsbewegungen können, um sie zu Hause fehlerfrei durchzuführen.

 

5. Wie kann die atrophierte (geschwächte) Muskulatur wieder aufgebaut werden?

Solange ein Gelenk akut entzündet ist, wird die umgebende Muskulatur durch Entzündungsmediatoren und Schmerzen in ihrer Aktivität gehemmt. Muskeltraining ist in diesem Stadium der Gelenkentzündung nicht sinnvoll.

Einschränkungen der Gelenkbeweglichkeit nach Abklingen der akuten Entzündung begrenzen zwar den Muskelaufbau aber ein speziell für jedes Gelenk abgestimmtes, Muskeltraining ist ein Teil jeder krankengymnastischen Behandlung.

Generell gilt, dass sich die Muskulatur ohne großen Aufwand aufbaut, sobald die Entzündung abgeklungen ist und das Gelenk schmerzfrei und frei beweglich ist. Die wiederhergestellten Gelenkachsen sind Vorraussetzung für einen wirksamen Muskelaufbau.

Muskeltraining mit Gewichten oder an Geräten sollte nur mit fachkundiger Anleitung und nicht mit akut entzündeten Gelenken erfolgen.   

6. Was ist besser für ein rheumatisch entzündetes Gelenk, Wärme oder Kälteanwendungen?

Allgemein gilt, akut entzündete, heiße, geschwollene Gelenke sollten gekühlt werden.

Hierzu eignen sich Gelpackungen, Eis, kalte Umschläge z.B. Alkohol (auch bewährte Hausmittel). Zur Entzündungshemmung wird Kälte 10-12 min appliziert, nicht kürzer, da sonst im Anschluss an die Anwendung eine überschießende Wärmereaktion des Gelenkes auftreten kann.

Im Bereich der Hüftgelenke und Lendenwirbelsäule sollte Kälte auf Grund der Nähe zu Nieren und Blase nicht angewendet werden.

Ist ein Gelenk ohne Entzündungszeichen (heiß, geschwollen) in der Bewegung eingeschränkt und / oder schmerzhaft wirken warme oder heiße Anwendungen entspannend und schmerzlindernd. Direkt auf der verspannten Muskulatur lässt sich Wärme / Hitze in jedem Fall einsetzen.

 

7. Ist es günstig die Gelenke vor der Krankengymnastik zu kühlen?

Da der Schmerz Signalwirkung hat, hilft er das richtige Maß in der Therapie zu finden.

Daher sollten in der Regel entzündete Gelenke unabhängig von der krankengymnastischen Behandlung gekühlt werden.

 

8. Welche Wassertemperatur ist beim Schwimmen für Kinder mit Rheuma am günstigsten?

Bewegungen im Wasser haben therapeutische Wirkung, da sie durch den Wasserauftrieb leichter und mit weniger Schmerzen möglich sind. Warmes Wasser (über 30°C) wirkt zudem muskelentspannend.

Sportliche Aktivitäten können jederzeit in normal "temperierten" Schwimmbecken durchgeführt werden. Für alle Kinder gilt, Auskühlung zu vermeiden.

9. Warum sollten schmerzhaft entzündete Gelenke entlastet werden?

Die Schmerzen eines entzündeten Gelenkes führen zu einer Schonhaltung, die sich unter Belastung verstärkt. Das heißt, die verstärkte einseitige Muskelanspannung nimmt beim Gehen zu und begünstigt Gelenkkontrakturen sowie eine Fehl- bzw. Überlastung benachbarter Gelenke.

 

10. Wann ist es sinnvoll Handschienen zu tragen?

Bei Arthritis im Handgelenk hält das Kind seine Hand automatisch in einer Schonhaltung, meist nach außen und unten. Die Funktion der Finger sowie richtiges Greifen und Arbeiten mit der Hand sind deutlich eingeschränkt.

Eine Handschiene vermindert durch äußere Stabilisation die Schmerzen und korrigiert gleichzeitig die Handachsen in einer funktionellen Stellung. Als Folge verbessert sich die Handfunktion. Die Gefahr fixierter Fehlstellungen nimmt ab.